Aschersleben, die kleine Stadt am Rande des Harz, ist die älteste Stadt von Sachsen-Anhalt. Man erfährt es von einer Hauswand auf dem Weg vom Bahnhof zur Grafikstiftung Neo Rauch, in der am Sonnabend die Ausstellung „Feine Herrschaft“ eröffnet wird, eine Kollaboration von Neo Rauch und Jonathan Meese. Was zwei weltbekannte und begehrte Künstler in dieses Städtchen mit 25.000 Einwohnern verschlägt, ist leicht erklärt: Neo Rauch ist in Aschersleben aufgewachsen ist, bei den Großeltern, nach dem tödlichen Zugunglück seiner Eltern, beide Kunststudenten, vier Wochen nach seiner Geburt in Leipzig im Jahr 1960. Und er hat die Beziehung zu der Stadt durch die Stiftung mit neuem Leben gefüllt. „Feine Herrschaft“ ist bereits die 14. Jahresausstellung, wie der Ascherslebener Oberbürgermeister sagt, der bei der Pressekonferenz am Freitag auf dem Podium sitzt.

Neo Rauch (vorn) während der Pressekonferenz zur Ausstellung „Feine Herrschaft“ in der Grafikstiftung Neo Rauch in Aschersleben, neben dem Ascherslebener Oberbürgermeister.

© Rene Plaul für Ostdeutsche Allgemeine

Mehr als sechzig Arbeiten der beiden Künstler sind vom 30. Mai in der Grafikstiftung zu sehen, Lithografien, Zeichnungen und Ölarbeiten, auch zwei Gemeinschaftswerke. Ein Gebäude wie dieses würde man in einer Stadt wie Aschersleben nicht vermuten. Nach einem europaweiten Architekturwettbewerb wurde ein Industriedenkmal vom Stuttgarter Büro Lederer + Ragnasdottir + Oei durch ein Gebäude in Form eines Riegels ergänzt. Drinnen befinden sich großzügige Museumsräume, von denen der Blick in den Besthornpark fällt. Neo Rauch ist am Freitag hier. Auch sein Galerist Judy Lybke von Eigen+Art ist angereist; manche sagen, dass er die Leipziger Schule, der Neo Rauch zugerechnet wird, erfunden habe. Wer aber nicht kommen wird, ist Jonathan Meese. Seine Mutter ist Mitte April gestorben, und das „bekennende Muttersöhnchen“, wie Neo Rauch ihn liebevoll nennt, ist in tiefer Trauer.