Die Metapher des russischen Gases wird in der Debatte um die Abhängigkeit europäischer Unternehmen von amerikanischen Techkonzernen leicht überstrapaziert. Aber die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Neun von zehn deutschen Unternehmen sehen sich laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom aus dem vergangenen Winter in einer Abhängigkeit von Digitalimporten aus dem Ausland. Die Unternehmen könnten nach eigenen Angaben höchstens ein Jahr überleben, sollten die Technologien oder Dienstleistungen aus den USA wegfallen.Die Horrorszenarien sind bestens bekannt: Ein amerikanischer Präsident, beispielsweise Donald Trump, könnte den Europäern in einem geopolitischen Konflikt den sprichwörtlichen Hahn abdrehen und amerikanische Techkonzerne anweisen, wichtige Dienstleistungen wie die Cloud in Europa abzustellen. Europa ist nicht nur militärisch durch die Vereinigten Staaten erpressbar, sondern auch digital.Souveränität darf dabei nicht mit Autarkie gleichgesetzt werden, sonst würde Europa sich mutwillig von Innovationen abschneiden. Es wäre aber sehr wünschenswert, wenn europäische Unternehmen ihre Software-Lieferketten diversifizieren würden, um im Fall der Fälle den Fortlauf des Betriebs sicherzustellen. Es geht um Ausweichmöglichkeiten, um sogenannte Multicloud-Strategien zum Beispiel. Nur ist eben nicht immer betriebswirtschaftlich leicht zu verargumentieren, was volkswirtschaftlich und geopolitisch angezeigt wäre. Resiliente Strukturen kosten üblicherweise erst mal Geld, auch wenn sie später vor viel größeren Schäden bewahren können.Mit IT-Migrationen gewinnen Manager keinen BlumentopfVor der Gefahr der Abhängigkeit von amerikanischer Software warnen Fachleute seit Jahren, in den meisten Behörden und Unternehmen hat sich aber wenig getan. In vielen Bereichen gibt es europäische Alternativen. Aber mit IT-Migrationen gewinnen Manager keinen Blumentopf. Selbst wenn Sorgen vor fehlender Skalierungsfähigkeit oder Funktionen europäischer Anbieter teils unbegründet sein mögen – im Zweifel ist es einfacher, den Vertrag mit Microsoft, Amazons Cloudsparte AWS oder Google zu verlängern.Es gehört zur unternehmerischen Verantwortung, sich mit den Gefahren seiner Software-Lieferketten auseinanderzusetzen. Nicht jedes Hochrisikoszenario muss eintreten. Aber wer sich heute nicht resilient aufstellt, darf sich morgen bitte nicht beim Staat beschweren.
Digitale Souveränität: Bekannte Risiken
Die Risiken der Abhängigkeit von amerikanischer Software sind bekannt. Wer sich heute nicht resilient aufstellt, darf sich morgen nicht beschweren.







