Die Unzufriedenheit mit der Politik wächst, die AfD profitiert. Bundesweite Volksabstimmungen könnten das ändern – worauf warten wir noch?

E s ist noch gar nicht lange her, im Sommer 2021, da lag die AfD in den Umfragen bei harmlosen 10 Prozent. Die Pandemie war noch bestimmendes Thema und Angela Merkel die letzten Monate im Amt. Im Zeitverlauf sieht man, wie sich die blaue Linie seitdem nach oben schlängelt. Im Frühsommer 2023 – die Ampelregierung zerlegt sich öffentlich wegen des Heizungsgesetzes – kreuzt sie den Weg von Grünen und SPD. Sie windet sich hinauf, bei der Bundestagswahl 2025 nähern sich die schwarze und die blaue Linie weiter an.

Heute, nach nur einem Jahr an der Macht, ist die schwarz-rote Regierung so unbeliebt wie die Ampel kurz vor dem Bruch. Inzwischen hat die blaue Linie auch die schwarze überwunden. Die AfD liegt bei 27 Prozent, sie erhält mehr Zustimmung als alle anderen Parteien.

Die blaue Schlange hebt den Kopf. Und man fragt sich schaudernd, was noch kommt.

Die Sorge, was die Zukunft oder ganz konkret: die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bringen wird, ist bei Gesprächen mit Freund*innen am Kneipentisch so präsent wie in den Kommentaren der Zeitungen. Die taz titelte vergangene Woche „Alarmstufe Blau“, im Text warnte der Autor vor einem „gesellschaftlichen Kipppunkt“. In der Zeit wird eine Wand zwischen Regierenden und Volk beschrieben, eine „Systemmüdigkeit, die größer ist als jede Koalition“.