Er könnte sich jetzt einfach nur feiern lassen, die Ovationen im Palais am Funkturm genießen, während Sequenzen seiner großen Filme wie „Paris Texas“, „Der Himmel über Berlin“ oder „Perfect Days“ hinter ihm überlebensgroß aufscheinen. Aber Wim Wenders entscheidet sich dagegen, als er beim Deutschen Filmpreis die Ehrung für sein Lebenswerk entgegennimmt, eine Würdigung seines seit sechs Jahrzehnten währenden Schaffens. Er kommt relativ rasch zu einer Sache, die ihm zuletzt wohl keine Ruhe mehr gelassen hat: Die Schauspielerin Nastassja Kinski hat Wenders aufgefordert, eine Szene aus dem Film „Falsche Bewegung“ von 1975 herauszuschneiden, in der sie mit nacktem Oberkörper zu sehen ist; in der SZ hat sie sich dazu ausführlich geäußert. Bis heute fühlt sie sich gedemütigt, schließlich war sie damals erst 13: „Er hat mich nicht beschützt“, sagt Kinski heute. Wenders hat bis zu diesem Abend abgewiegelt und sich lieber nicht konkret dazu äußern wollen.