CSU-Vize Manfred Weber hat den Druck auf Parteichef Markus Söder erhöht und eine inhaltliche Neuausrichtung der CSU gefordert. Zugleich stellte sich der Vorsitzende der Europäischen Volkspartei in Brüssel hinter Bundeskanzler Friedrich Merz und sprach sich gegen Personaldebatten in der Union aus.„Wir brauchen den Mut, nicht den Umfragewerten zu folgen, sondern dem Herzen“, sagte Weber den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Die Menschen wollen spüren, dass die Volksparteien für etwas brennen.“Das durchwachsene Ergebnis der jüngsten Kommunalwahl in Bayern wertete Weber als Signal: „Die Wähler haben uns gezeigt, dass wir mehr tun müssen.“ Um den Höhenflug der AfD zu stoppen, reiche gutes Regieren allein nicht. „Wenn es uns nicht gelingt, eine Perspektive für morgen aufzubauen, werden wir Schwierigkeiten haben, den Populismus zu stoppen.“ Wenn es uns nicht gelingt, eine Perspektive für morgen aufzubauen, werden wir Schwierigkeiten haben, den Populismus zu stoppen.CSU-Vize Manfred WeberDie bayerische Landtagswahl, die Bundestagswahl und die Europawahl 2028 und 2029 seien „wichtige Wahlen für unsere Demokratie und für die CSU als Volkspartei“. Weber: „Wir oder die Radikalen – darauf müssen wir uns jetzt programmatisch vorbereiten.“Eigene Ambitionen auf den Parteivorsitz bestätigte Weber nicht. Auf die Frage, ob er Söder stürzen wolle, sagte er: „Mir geht es darum, in der Partei eine Debatte anzustoßen, die notwendig ist. Meine Bitte ist, nicht jede inhaltliche Debatte gleich mit einer Personaldebatte zu ersticken.“ Mit Söder sei er „im Austausch“. Von der Parteibasis bekomme er viel Ermutigung, diese Debatte gerade jetzt nach den Kommunalwahlen zu führen.Weber hatte bereits vor wenigen Tagen mit einem an zahlreiche Mandatsträger verschickten „Pfingstbrief“ für Aufmerksamkeit gesorgt. CSU-Ehrenvorsitzender Theo Waigel bezeichnete den Brief in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ als Weckruf. Nötig sei eine „grundlegende, tiefgehende Diskussion“ über die Ausrichtung der Partei. Weber stellt sich hinter Merz Zugleich stellte Weber sich hinter Bundeskanzler Merz. „Auf der europäischen Ebene hat Friedrich Merz eine starke Stellung. Er gestaltet die Debatte, hört aber auch zu“, sagte Weber der Funke Mediengruppe. Merz’ Führungskraft sei jetzt sehr wichtig. Auch hier wandte sich Weber gegen Personaldebatten: „Es geht nicht um Personaldebatten. Es geht darum, über den richtigen inhaltlichen Weg in die Zukunft zu entscheiden.“Die schwarz-rote Koalition werde ihren Regierungsauftrag erfüllen, zeigte sich der 53-Jährige überzeugt. „Dass es manchmal knirscht, gehört in der Politik dazu. Aber die schwarz-rote Koalition wird ihren Regierungsauftrag erfüllen, da habe ich überhaupt keinen Zweifel.“Medien hatten zuletzt über Gedankenspiele in der Union berichtet, ob Merz durch einen anderen Politiker ersetzt werden könnte. Dabei war der Name des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst gefallen. Wüst wies die Spekulationen am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zurück: „Um es noch einmal ganz klar zu sagen: Die Spekulationen der vergangenen Tage sind einfach Quatsch!“ Er warnte zugleich „vor solchen Gerüchten und Personalspekulationen“. Zuerst hatte die „Westfalenpost“ berichtet. Auch aus dem Umfeld des Kanzlers waren die Gerüchte scharf zurückgewiesen worden. Atomkraft nutzen Weber sprach sich zudem für eine stärkere Nutzung der Atomkraft aus. „Ohne Atomstrom kann die Energiewende nicht gelingen. Wir brauchen die Grundlastversorgung zu einem vernünftigen Preis.“ Ob in Deutschland neue Kernkraftwerke gebaut oder stillgelegte reaktiviert werden, müsse die deutsche Politik entscheiden. (Tsp/dpa/AFP)
„Wir oder die Radikalen“: CSU-Vize Weber erhöht Druck auf Söder – und stellt sich hinter Merz
Nach den schwachen Kommunalwahlergebnissen mahnt Weber die CSU zur Erneuerung. Ob er dabei selbst Ambitionen hegt, lässt er offen.










