PfadnavigationHomeWissenschaftInsektenschutzWarum Mückenspray manche Blutsauger erst recht anlocktStand: 16:24 UhrLesedauer: 3 MinutenDer Schutz vor Mücken gilt seit Jahrzehnten als besonders zuverlässigQuelle: Getty Images/JaromirMillionen Menschen verlassen sich im Sommer auf Mückenspray. Forscher haben nun einen Effekt entdeckt, durch den manche Mücken plötzlich anders reagieren als erwartet. Das Verhalten der Insekten überrascht selbst Experten.Hatten Sie schon mal das Gefühl, von einer Mücke trotz Insektenschutzmittel besonders anziehend gefunden zu werden? Womöglich haben Sie ein lernfähiges Exemplar erwischt: Für Gelbfiebermücken haben Forscher gezeigt, dass sie den in solchen Präparaten enthaltenen Wirkstoff „DEET“ mit Nahrung in Verbindung bringen können – und sie damit eingeriebene oder eingesprühte Menschen häufiger stechen als andere.„DEET“ zählt seit 80 Jahren zu den wirksamsten Insektenschutzmitteln. Allerdings kann die Wirksamkeit unter bestimmten Bedingungen sinken, schreibt das Team um Claudio Lazzari von der Universität Tours (Frankreich) im „Journal of Experimental Biology“. „Wenn Mücken wiederholt mit „DEET“ in Kontakt kommen, verliert es seine abwehrende Wirkung“, erklärte Lazzari.Lesen Sie auchMillionen Menschen verlassen sich im Sommer auf Mückenspray. Forscher haben nun einen Effekt entdeckt, der den Schutz unter bestimmten Umständen überraschend verändern könnte. Die Reaktion der Insekten verblüffte selbst die beteiligten Forscher.Die Forscher nutzten eine Abwandlung von Iwan Pawlows berühmtem Experiment, bei dem Hunde lernten, das Erscheinen von Futter mit dem Läuten einer Glocke in Verbindung zu bringen. Zunächst wurde weiblichen Gelbfiebermücken, sogenannten Aedes aegypti, ein Beutel mit warmem Blut hinter einem Stoffgitter dargeboten. Wurde der Beutel in Reichweite abgesenkt, stachen die Insekten zu – hielten sich aber fern, wenn sie vom Geruch von „DEET“ umgeben waren.Das Team fütterte die Mücken im zweiten Schritt jeweils 20 Sekunden lang mit warmem Blut und sprühte dabei in den letzten 10 Sekunden der Mahlzeit den Geruch von „DEET“ in das Gehege. Dieser Vorgang wurde noch dreimal wiederholt. Dann wurde überprüft, wie die Insekten auf den Geruch allein von „DEET“ reagierten.Lesen Sie auchDieses Mal hätten die Mücken verrücktgespielt, hieß es: Mehr als 60 Prozent der Tiere hätten zu stechen versucht, sobald sie nur einen Hauch von „DEET“ rochen. Als das Team den trainierten Insekten die Wahl zwischen einer unbehandelten und einer mit „DEET“ besprühten Hand ließ, stürzten sie sich auf die besprühte Hand. Lesen Sie auchIn weiteren Versuchen konnten die Forscher die Mücken auch auf eine zuckerhaltige Belohnung mit dem Geruch des Abwehrmittels trainieren.Dass Mücken lernen können, „DEET“ mit Nahrung zu verbinden, könnte in bestimmten Fällen ausgerechnet Menschen, die sich mit dem Wirkstoff schützen wollen, attraktiver für die Blutsauger machen, befürchten die Wissenschaftler. Warum Experten weiter zu „DEET“ raten„Wenn eine Mücke jemanden sticht, der einige Stunden zuvor ‚DEET‘ auf seine Haut aufgetragen hat, und die Konzentration des Abwehrmittels zu gering ist, um die Mücke abzuschrecken, aber dennoch stark genug, damit das Insekt es riechen kann, sticht die Mücke möglicherweise eher Menschen, die nach DEET riechen“, erklärte Lazzari.Er betonte auch, dass die Ergebnisse nichts daran änderten, dass „DEET“ das wirksamste verfügbare Insektenschutzmittel sei und Menschen vor durch Mücken übertragenen Krankheiten schütze. Aktuell sei ohnehin noch unklar, wie lange der „DEET“-Lerneffekt bei einer Mücke anhalte.„DEET“ ist N,N-Diethyl-m-toluamid. Die synthetische Verbindung wurde in den 1940er-Jahren in den USA als militärisch genutztes Mittel entwickelt und ist heute das verbreitetste Insektenschutzmittel, insbesondere zum Schutz vor Mückenstichen. Der Wirkmechanismus konnte bisher nicht komplett geklärt werden.„DEET“ wird auch in Deutschland verwendet, vor allem in Mücken- und Zeckenschutzmitteln für Reisen und bei starkem Insektendruck. Wegen der potenziellen Nebenwirkungen wird vor allem bei kleinen Kindern und Schwangeren von einer Nutzung abgeraten.Die Gelbfiebermücke – auch ägyptische Tigermücke genannt – überträgt gefährliche Krankheiten wie Zika-, Dengue-, Chikungunya- und Gelbfieber. Sie lebte ursprünglich vorwiegend in den Tropen und Subtropen, kommt aber im Zuge des Klimawandels zunehmend auch in Europa vor.Annett Stein, dpa/lkl