Am Donnerstag herrschte plötzlich Aufruhr in der Eishockeywelt. Das lag weniger an den Viertelfinalspielen der WM in der Schweiz. Dass die Gastgeber die Schweden 3:1 schlugen und den nächsten Schritt auf dem Weg zu ihrem ersten Titel machten, hat die Spannung zwar weiter steigen lassen. Aber die großen Schlagzeilen wurden Tausende Kilometer weiter im Osten gemacht. Dort verkündete der russische Eishockeyverband RIHF, dass der Weltverband IIHF seine Entscheidung aus dem Januar „aufgehoben“ habe, „russische Nationalmannschaften aufgrund von Sicherheitsbedenken von den IIHF-Wettbewerben in der Saison 2026/2027 auszuschließen“.Seit 2022, seit dem Überfall auf die Ukraine, ist Russland in seinem Nationalsport international ausgeschlossen, offiziell „aus Sicherheitsgründen“. Aber das sei nun nicht mehr aktuell, verkündete die RIHF. Weil „die IIHF keine ausreichende Begründung für den Ausschluss vorgelegt“ habe. Zwar stand in der Mitteilung auch, dass „die Aufhebung nicht unmittelbar die Rückkehr der russischen Nationalmannschaften zu IIHF-Turnieren garantiert“. Aber die Nachricht war in der Welt: Russland ist zurück, da würde es ja nicht mehr lange dauern, bis seine Teams wieder auf dem Eis stehen. Vielleicht schon nächstes Jahr bei der WM in Deutschland?Weltverband muss seine Entscheidung neu begründenSo einfach ist es nicht. Die Sanktionen sind nicht etwa aufgehoben. Das Disziplinarkomitee der IIHF hat lediglich beschlossen, dass der Rat, das Führungsgremium des Weltverbandes, seine Entscheidung neu begründen muss. Und wer sich dieser Tage beim IIHF-Kongress in Zürich umhörte, erfuhr, dass vorerst nicht davon auszugehen ist, dass russische Teams wie in anderen Sportarten bald wieder zugelassen werden. Dafür sind die Gegner – vor allem die aus Skandinavien, Mittel- und Osteuropa sowie aus dem Baltikum – zu einflussreich.Am Freitag veröffentlichte die IIHF ein Statement. Dort hieß es, dass Russlands Ausschluss lediglich „in seiner derzeitigen Form nicht aufrechterhalten werden könne“, daher habe das Disziplinarkomitee „die Angelegenheit an den IIHF-Rat zurückverwiesen, damit dieser sie auf der Grundlage von Sicherheits-, operativen und sportlichen Plänen erneut prüft“. Aber ganz so sattelfest wirkt der Weltverband bei seiner Russland-Politik nicht mehr. Präsident Luc Tardif sagte schon vor Monaten, dass Russland „so schnell wie möglich“ zurückkehren sollte. Voraussetzung sei zwar das Ende des Krieges gegen die Ukraine. Aber obwohl das Morden täglich weitergeht, bröckelt da etwas.Es geht um viel GeldIn Zürich ist derzeit auch René Fasel zu erleben. Der langjährige IIHF-Präsident ist zwar Schweizer, besitzt aber auch die russische Staatsbürgerschaft, bezeichnet sich als Freund von Wladimir Putin und trat Sanktionen stets entgegen – auch schon denen wegen des Staatsdopings 2014 in Sotschi. Zuletzt war Fasel bei der IIHF in Ungnade gefallen, jetzt ist er erstmals seit Jahren wieder bei WM-Spielen vor Ort.Zudem hat er im IIHF-VIP-Raum Dimitrij Kurbatow, Generaldirektor des russischen Verbands, im Schlepptau. Beim Kongress ist Kurbatow zwar nur per Video aus seinem Hotel zugeschaltet, aber all das zeigt, dass sich der Wind langsam zu drehen beginnt. Was auch am Geld liegt. Beim Kongress war zu hören, dass die Vermarktungsagentur Infront ohne russisches Team bei der WM rund 4,5 Millionen Euro jährlich weniger überweist – knapp zehn Prozent der Gesamtsumme.Einen Schritt weiter als Russland ist das ebenfalls sanktionierte Belarus. Anfang Mai hob das Internationale Olympische Komitee die Sanktionen auf. Dem folgte die IIHF nun. Allerdings vorerst nur in der Jugend und bei den Frauen. Bei der Männer-WM bleibt das Land weiter außen vor, denn die Sache ist brisant: Würde Belarus wieder mitspielen dürfen, müsste ein Aufsteiger aus der B-WM seinen Startplatz für die nächste A-WM in Deutschland aufgeben.Und das ist die Ukraine, die erstmals seit 20 Jahren wieder aufgestiegen ist. Ausgerechnet die Ukraine durch einen Verbündeten Russlands zu ersetzen, wollte die IIHF nicht. Aber wie lange der Eishockey-Weltverband bei seiner Haltung bleiben kann, ist unklar. Ebenso, wie lange Russland noch ausgeschlossen bleibt. Der Wind mag sich langsam drehen, aber er dreht sich.
Eishockey: Die Blockade gegen Russland bröckelt
Der Eishockey-Weltverband hebt seine Begründung auf, mit der Russlands Eishockeyteam von der internationalen Bühne ferngehalten werden soll. Droht damit die baldige Rückkehr? Die Lage ist kompliziert.















