So dominant wie noch nie: Die Schweiz deklassiert ein miserables Schweden und ist noch einen Sieg von der dritten WM-Finalteilnahme in Folge entferntDie Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft ist an der Heim-WM weiterhin nicht zu stoppen: Im Viertelfinal gelingt ein verblüffend müheloser Sieg gegen Schweden. Am Samstag wartet in Zürich der erstaunliche Aussenseiter Norwegen.29.05.2026, 02.20 Uhr4 LeseminutenAktualisiertDie Schweizer Spieler feiern das 3:1 von Calvin Thürkauf gegen Schweden.Anders Wiklund / TT / ImagoUm den Schienenverkehr wird die Schweiz rund um den Globus bewundert. Das Landwasserviadukt der Rhätischen Bahn gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Der Charme der zwischen Zweisimmen und Gstaad fahrenden Belle-Epoque-Wagen lässt einen jeden Ärger des Alltags vergessen. Über schlecht gelauntes, inkulantes SBB-Kontrollpersonal sei an dieser Stelle der Mantel des Schweigens gehüllt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Jedenfalls hat die Eisenbahn hierzulande einen so hohen Stellenwert, dass es schon nachvollziehbar ist, wenn Christoph Bertschy sich einer Analogie aus diesem Universum bedient. Der Stürmer, mit Gottéron vor Monatsfrist überraschend Schweizer Meister geworden, sagt nach dem 3:1-Sieg über Schweden: «Im Moment sind wir wie ein unaufhaltsamer Zug».Nie zuvor hatten die Schweizer den elffachen Weltmeister an einem Olympia- oder WM-Turnier in der K.o.-Phase bezwingen können. Aber in Zürich fegten die Schweizer ihre alte Nemesis mühelos vom Eis; ihr Sieg war nie gefährdet. So dominant hat man die Schweiz gegen einen Widersacher von diesem Kaliber in einem WM-Viertelfinal noch nie gesehen.Die überragende Figur war einmal mehr Roman Josi, der magistrale Captain, der an allen drei Schweizer Treffern beteiligt war. Es ist denkbar, dass der Berner gerade seine letzte WM bestreitet. Josi wird am Montag 36, aber in Zürich dreht er in diesen Tagen die Zeit zurück. Es wirkt als hätte es seine Verletzungssorgen und den Alterungsprozess nie gegeben. Mit dem Abwehrchef in dieser Spiellaune muss sich die Schweiz auch vor einem möglichen Finalgegner Kanada nicht verstecken.Der Nationaltrainer Hallam begeht einen KardinalfehlerWobei Schweden Josi und den Schweizern auch viele Gefallen tat. Von 103 NHL-Spielern standen nur zehn zur Verfügung. Sie wurden von Sam Hallam angeleitet, dem sehr unpopulären Nationaltrainer, der im Sommer seine Stelle bei Genf/Servette antreten wird. Vielleicht kann er sich in Genf noch für einen Kommunikationskurs in der Migros Klubschule anmelden, nötig wären Fortschritte in diesem Bereich jedenfalls: Hallam beging den Kardinalfehler, dem Gegner vor der Partie ohne Not Munition zu liefern. Die Schweizer hätten die Finals in den letzten zwei Jahren nur erreicht, weil sie in den K.o.-Runden nicht auf Schweden getroffen seien, stichelte Hallam.Nicht dass die Schweiz vor ihrem in rot getauchten Heimpublikum, mit Roger Federer als Einpeitscher und mit dem ewigen Gold-Traum vor Augen, zusätzliche Motivation gebraucht hätten. Aber Hallam lieferte sie trotzdem. Seine Bilanz als Nationaltrainer ist miserabel: In vier Jahren schaffte er es nie, das Team in den Final zu führen. Zwei Mal scheiterte Schweden im Viertelfinal. Hallam wird nun vom ehemaligen ZSC-Coach Rikard Grönborg abgelöst.Seine Spieler suchten am Donnerstagabend Ausreden. «Die Schiedsrichter waren zu feige, die hässlichen Fouls zu ahnden. Sie trauten sich nicht, gegen das Schweizer Publikum zu pfeifen», sagte der junge Stürmer Ivan Sternberg. Hinter ihm zertrümmerte der Verteidiger Robert Hägg auf dem Weg in die Kabine seinen Stock. Der schwedische Ärger zentrierte sich vor allem auf ein Foul des Schweizer Stürmers Timo Meier an Oskar Sundqvist, welches zur Konsequenz hatte, dass der Schwede das Stadion mit einer Knieverletzung im Rollstuhl verliess. Sundqvist, 32, absolvierte die abgelaufene Saison bei den St. Louis Blues in der NHL, sein Vertrag läuft Ende Juni aus. Sollte er sich tatsächlich schwer verletzt haben, hätte er die WM-Teilnahme sehr teuer bezahlt.Norwegen ist mit dem Halbfinalgegner von 2025 zu vergleichenEs ist begreiflich, dass die Schweden sich darüber enervierten, dass die Schiedsrichter – darunter der in der hiesigen Liga beschäftigte Finne Mikko Kaukokari – die Szene nicht per Videostudium prüften. Aber das Verhältnis bei den Strafminuten lautete 35:6 zu Ungunsten der Schweiz. Der ZSC-Verteidiger Dean Kukan kassierte schon früh eine Matchstrafe. Das schwedische Powerplay war erschreckend harmlos.Am Samstagnachmittag treffen die Schweizer nun auf die erstaunlichen Norweger, die erstmals überhaupt in den Halbfinal vorgedrungen sind. Die Entwicklung war so nicht absehbar – noch vor drei Jahren hatte der Spielbetrieb aller norwegischen Nationalteams mit Ausnahme der U20-Auswahl der Männer temporär eingestellt werden müssen, weil der Eishockeyverband überschuldet war. Nun haben die Norweger mit einem sehr jungen, aggressiven Team mehrere Sensationssiege gefeiert.Die Schweiz dürfte Norwegen kaum ernsthaft zu fordern vermögen, die Kräfteverhältnisse sind der Halbfinalpaarung aus dem Vorjahr zu vergleichen als die Schweiz auf den Aussenseiter Dänemark traf. Und 7:0 gewann. Einen einzigen Hochgeschwindigkeitszug gibt es in Norwegen, er verkehrt zwischen dem Flughafen und dem Hauptbahnhof von Oslo. Das mondäne Schweizer Schienennetz bewegt sich da auf einem anderen Level. Und die kraftvolle Lokomotive namens Schweizer Eishockeynationalmannschaft scheint derzeit ohnehin tatsächlich am treffendsten mit dem Wort umschrieben, welches Christoph Bertschy wählte: Unaufhaltsam.Passend zum Artikel
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Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft ist an der Heim-WM weiterhin nicht zu stoppen: Im Viertelfinal gelingt ein verblüffend müheloser Sieg gegen Schweden. Am Samstag wartet in Zürich der erstaunliche Aussenseiter Norwegen.














