Thomas Behrendt kommt viel herum in Berlin, auch in den düstersten Ecken. Mal muss er zum Kottbusser Tor, wo Junkies in Hauseingängen herumliegen, oder nach Charlottenburg, wo Obdachlose unter Brücken kampieren. Mal muss er in die Psychiatrie des Urban-Krankenhauses, weil dort einer von denen, um die er sich kümmert – er nennt sie vornehm Mandanten –, eingeliefert wird oder von dort abgehauen ist. Sein Büro ist in Kreuzberg. Die Adresse hat er von seiner Website gelöscht, nachdem einer seiner Mandanten mit einem Messer vor der Tür unten im Hof aufgetaucht war, herumschrie und ihm drohte. Behrendt erzählt mir das gleich beim ersten Gespräch im Herbst 2025.
»Es ist ein aufreibender, konfliktreicher Beruf«, sagt er. »Man braucht wirklich Nerven.«
Behrendt ist 64 Jahre alt und professioneller Betreuer. Das heißt, er kümmert sich um jene, die nicht mehr für sich selbst sorgen können, als deren rechtlicher Vertreter. Ein Gericht beschließt die Betreuung, in der Regel haben die Betreuten sie selbst beantragt. Die meisten Betreuer arbeiten ehrenamtlich, oft versorgen sie Familienmitglieder. Behrendt ist einer der seltenen Profi-Betreuer, sein Büro teilt er sich mit zwei Kollegen und einigen Mitarbeitern.






