Die Berliner Polizei rückte im vergangenen Jahr zu mehr als 14.000 Einsätzen in Berliner Krankenhäusern aus. Zur Anzeige gebracht wurden dabei über 500 Körperverletzungen, mehr als 200 Fälle von Nötigung und fast 300 Hausfriedensbrüche.

Auch Andrea (28), die ihren vollständigen Namen nicht in der Zeitung lesen will, kennt diese Zahlen – und vor allem das, was hinter ihnen steht. Sie arbeitet in der Rettungsstelle eines Krankenhauses. „Manche Menschen benehmen sich einfach unter aller Sau“, sagt sie. Dann erzählt sie von einem Abend, an dem ein Patient auftauchte: blutverschmiert, aufgewühlt, „anscheinend unter Strom“. Andrea weiter: „Die wollten sofort in den Behandlungsbereich rein stürmen.“ Nur mit Mühe und in ruhigem Ton habe sie die Gruppe gemeinsam mit einem Kollegen stoppen können. Beim Weggehen habe einer der Männer noch gedroht: „Das nächste Mal wirst du nicht so locker davon kommen.“ Dann verschwanden sie.

Zahl der Polizeieinsätze steigt

Bedrohlicher Klinikalltag: In fünf Jahren ist die Zahl der Polizeieinsätze in und vor Berliner Krankenhäusern nach Angaben der Innenverwaltung um 40 Prozent gestiegen. Mehr als 14.000 Mal im Jahr wird die Polizei inzwischen von einer der Berliner Kliniken zur Unterstützung angefordert. Allein das Vivantes Klinikum im Friedrichshain zählt nach vorliegenden Zahlen 735 Einsätze pro Jahr. Mehr als zwei pro Tag. Dahinter folgen die Klinik Am Urban in Kreuzberg, das Auguste-Viktoria in Schöneberg, das Evangelische Krankenhaus Herzberge in Lichtenberg und das Alexianer St. Hedwig-Krankenhaus in Mitte. In vielen Fällen sind Pfleger dabei betroffen.