Die angespannte Sicherheitslage in der Provinz Ituri im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo erschwert eine Eindämmung des Ebola-Ausbruchs laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus befindet sich zurzeit vor Ort. Die anhaltenden Kämpfe zwischen zahlreichen Rebellengruppen in der Region, insbesondere den Allied Democratic Forces (ADF; kongolesisch-ugandische Islamisten-Gruppe) und der M23-Miliz (kongolesisch-ruandische Tutsi-Gruppierung), hätten allein im vergangenen Monat rund 100 000 Menschen vertrieben. „Das macht es sehr schwierig, den Ausbruch einzudämmen“, sagte Ghebreyesus in einer Übertragung, die auf der Plattform X geteilt wurde. Zuvor hatte er bereits zu einem Waffenstillstand aufgerufen.Die Provinz Ituri gilt als am schwersten von dem neuesten Ebola-Ausbruch betroffen. Da es keinen passenden Impfstoff und keine speziellen Medikamente gegen die kursierende Bundibugyo-Variante gibt, kann die Ansteckung nur verhindert werden, wenn Infizierte unter höchsten Sicherheitsstandards behandelt werden und ihre Kontakte für drei Wochen isoliert werden. Aufgrund der Kämpfe ist dies für Kontaktpersonen von Infizierten jedoch nur schwer möglich. Die Region Ituri steht außerdem vor der Herausforderung, dass sie dicht besiedelt ist, was das Ansteckungsrisiko erhöht. Zudem gibt es dort derzeit noch keine Laborkapazitäten, die schnell Gewissheit über eine Ebola-Infektion verschaffen können.Die WHO arbeite mit Partnern und Institutionen daran, klinische Studien zu Behandlungsmethoden zu beschleunigen, doch bis diese verfügbar seien, werde es noch einige Monate dauern, sagte der WHO-Chef. Er appellierte an die internationale Gemeinschaft, ihre finanzielle Unterstützung zu verstärken, damit Gesundheitspersonal mit den nötigen Hilfsgütern versorgt werden könne.Mindestens jedes vierte bestätigte Ebola-Todesopfer ist ein KindBei mindestens jedem vierten bestätigten Ebola-Todesopfer in der Demokratischen Republik Kongo handelt es sich nach Angaben der Kinderschutzorganisation Save the Children um ein Kind. Unter den bisher in dem zentralafrikanischen Land bestätigten verstorbenen 17 Patienten waren vier Kinder, sagt ein Sprecher. Die tatsächliche Zahl dürfte angesichts von knapp 240 Verdachtsfällen verstorbener Patienten noch deutlich höher liegen.Auch die Aufrechterhaltung der Geburtshilfe inmitten des Ebola-Ausbruchs sei herausfordernd, erklärte die Tübinger Tropenärztin Gisela Schneider. Eine Geburt sei bei Ebola „ein ganz großer Risikofaktor“ – nicht nur für die Mutter und das Neugeborene, sondern auch für die Hebamme und andere Mitarbeiter in der Geburtshilfe, da es viel Kontakt mit Blut gebe. UN Women hatte vor einigen Tagen darauf hingewiesen, dass zudem der Anteil von Frauen und Mädchen unter den Betroffenen bei vorangegangenen Ebola-Ausbrüchen überdurchschnittlich hoch gewesen sei.Reisebeschränkungen während der WMDie USA, Mexiko und Kanada haben wegen des Ebola-Ausbruchs in Afrika gemeinsame Reisebeschränkungen vereinbart, um Bürger und Besucher während der anstehenden Fußballweltmeisterschaft in ihren Ländern zu schützen. „Die Gesundheit und Sicherheit jedes Einzelnen in der Region bleibt unsere oberste Priorität, während wir die Welt in Nordamerika willkommen heißen“, hieß es am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung. Details zu den abgestimmten Maßnahmen wurden nicht genannt.Gesundheit:Was den aktuellen Ebola-Ausbruch besonders machtEbola ist in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda keine Unbekannte, doch dieses Mal ist einiges anders. Warum ist das Virus so schwer einzudämmen? Und besteht Gefahr auch für andere Länder?Die drei Länder hatten zuvor auf nationaler Ebene ihre Einreiseregeln verschärft. Die USA verhängten vergangene Woche ein Einreiseverbot für Ausländer, die sich kürzlich in der Demokratischen Republik Kongo, in Uganda oder im Südsudan aufgehalten haben. Am Freitag weitete die US-Gesundheitsbehörde CDC diesen Ausschluss auf Inhaber einer Greencard aus, die in den vergangenen 21 Tagen in diesen Ländern waren.Kanada verwehrt Bewohnern der drei afrikanischen Staaten seit Mittwoch für 90 Tage die Einreise. Kanadische Staatsbürger und Personen mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung müssen sich ab dem 30. Mai nach einer Rückkehr aus den betroffenen Gebieten für 21 Tage in Quarantäne begeben. Mexikos Gesundheitsminister David Kershenobich hat strengere Kontrollen an Flughäfen angekündigt und für Einreisende aus Kongo ebenfalls eine dreiwöchige Quarantäne angeordnet.Die Fußball-Nationalmannschaft der Demokratischen Republik Kongo soll sich vor der Weltmeisterschaft in den USA 21 Tage lang isolieren. Bislang plant das Team, sein Quartier vom 11. Juni an in Houston aufzuschlagen, derzeit trainiert es in Belgien.
WHO-Chef: Ebola-Ausbruch in Kongo ist „sehr schwierig“ einzudämmen
Die Kämpfe in der Region erschweren die Arbeit der Hilfskräfte. Kinder sind besonders von dem Ausbruch betroffen.















