PfadnavigationHomePolitikDeutschlandReform des ArbeitszeitgesetzesLinke kritisiert „Abschaffung des Acht-Stunden-Tags“ – Gewerkschaften warnen vor GesundheitsschädenStand: 06:54 UhrLesedauer: 3 MinutenLinke-Chefin Ines SchwerdtnerQuelle: Bernd von Jutrczenka/dpaDie Bundesregierung will das Arbeitszeitgesetz reformieren – hin zu einer flexiblen Wochenhöchstarbeitszeit. Linke-Chefin Ines Schwerdtner greift die SPD scharf an. Auch Gewerkschaften stellen sich gegen das Vorhaben.Linken-Chefin Ines Schwerdtner hat die SPD vor der Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes gewarnt. „Die SPD plant gerade, den Acht-Stunden-Tag abzuschaffen. Damit schafft sie sich im Grunde selbst ab“, sagte Schwerdtner der „Frankfurter Rundschau“ nach Angaben vom Donnerstag. „Dann bitte. Wir sind bereit, an die Stelle zu treten und die hart arbeitenden Menschen in diesem Land zu vertreten.“Die Bundesregierung plant eine Reform des Arbeitszeitgesetzes. Statt des Acht-Stunden-Tags soll eine wöchentliche Höchstarbeitszeit kommen, um so für mehr Flexibilität zu sorgen. Lesen Sie auchBundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) will dazu in Kürze einen Gesetzentwurf vorlegen. Die Koalition wolle „insbesondere für Familien die Arbeitszeit flexibler machen“, sagte Bas dazu im Mai.Bas distanzierte sich aber auch von der geplanten Abschaffung des Acht-Stunden-Tags. „Wenn es nach der SPD und mir persönlich geht, fassen wir das Thema gar nicht erst an, aber es steht im Koalitionsvertrag“, sagte Bas.Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hatte Sorgen vor überlangen Arbeitstagen zurückgewiesen: „Niemand wird zu 13‑Stunden‑Tagen gezwungen.“ Mehr Flexibilität bedeute nicht mehr Druck, sondern mehr Möglichkeiten für Arbeitgeber und Beschäftigte. Der starre Acht-Stunden-Tag stamme aus früheren Zeiten und passe oft nicht mehr zu einer digitalen und globalen Arbeitswelt.Auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, hatte die Vorzüge einer Wochenarbeitszeit betont. Es gehe nicht darum, das ein Industriearbeiter jetzt zwölf Stunden am Stück machen könne, sondern es gehe im Kern um Bürojobs. Mehr Flexibilität und Anpassungsmöglichkeiten bedeuteten auch höhere Sicherheit für Arbeitsplätze, da der wirtschaftliche Handlungsrahmen der Unternehmen leichter und besser organisierbar sei. „Es geht ja nicht um mehr Arbeitszeit, sondern es geht um eine andere Verteilung der Arbeitszeit, die gegebenenfalls notwendig ist.“„Zu lange Arbeitstage führen nachweislich zu Krankheiten“In der Diskussion um die Reform des Arbeitszeitgesetzes warnen die Gewerkschaften vor Gesundheitsschäden durch eine Abkehr vom Acht-Stunden-Tag. „Zu lange Arbeitstage führen nachweislich zu Krankheiten, die am Ende des Tages nicht nur Beschäftigten schaden, sondern auch der Wirtschaft und dem Gesundheitssystem“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.„Jede Lockerung der Regeln würde einseitig die Arbeitnehmer belasten“, erklärte Piel weiter. „Änderungen am Arbeitszeitgesetz lehnen wir ab: Das aktuelle Gesetz sichert die Gesundheit der Beschäftigten und verhindert, dass Menschen wie Maschinen behandelt werden.“Lesen Sie auchAuch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnte vor einer Aufweichung des Acht-Stunden-Tages. Nach Ansicht ihres Chefs Guido Zeitler droht dadurch ein „Rückschritt in Zeiten, die wir nicht zurückhaben möchten“. Er verwies auf arbeitsmedizinische Studien, die gezeigt hätten, dass zu lange Arbeitszeiten krank machten. „Seit jeher ist das Arbeitszeitgesetz daher ein Schutz für Beschäftigte vor den Ansprüchen, ja auch der Willkür, ihrer Chefs“, sagte Zeitler den Funke-Zeitungen. „Heute scheinen die Belastbarkeitsgrenzen von Beschäftigten jedoch vergessen zu sein“. Ziel der Arbeitgeber in der aktuellen Debatte sei es, „ihre Beschäftigten nach Belieben einzusetzen“.AFP/rct/jmr