Das Bild von der kerngesunden amerikanischen Volkswirtschaft bekommt Risse. Die Inflation zieht an, die Verbraucher greifen auf ihre Ersparnisse zurück, und das Wachstum im ersten Quartal wurde nach unten korrigiert. Nur die Investitionen der Unternehmen halten sich bislang erstaunlich robust. Das zeigt eine Flut von Konjunkturdaten vom Donnerstag.Am schwersten wiegt die Inflation. Sie nähert sich der Marke von 4 Prozent und liegt damit im April fast doppelt so hoch wie das Ziel der amerikanischen Notenbank Federal Reserve. Der Preisindex für die privaten Konsumausgaben, das von der Federal Reserve bevorzugte Inflationsmaß, lag im April 3,8 Prozent über dem Vorjahreswert. Ohne Energie und Lebensmittel betrug der Anstieg 3,3 Prozent. Damit schrumpft für den neuen Chef der Federal Reserve, Kevin Warsh, der Spielraum für Leitzinssenkungen.Die Amerikaner sparen deutlich wenigerDiese Preissteigerungen haben Folgen: Die Amerikaner geben mehr aus, als ihre Einkommen hergeben. Im April stiegen die Konsumausgaben um 0,5 Prozent, während das verfügbare persönliche Einkommen um 0,1 Prozent sank. Die Lücke schlossen viele Haushalte offenbar mit Ersparnissen. Die persönliche Sparquote fiel auf 2,6 Prozent, nach 3,2 Prozent im März und 4,3 Prozent im Januar – der niedrigste Stand seit Mitte 2022. In 65 Jahren Wirtschaftsdaten lag die persönliche Sparquote – also das, was vom Einkommen nach Steuern und Ausgaben übrig bleibt – nur in zwei Phasen niedriger: kurz im Jahr 2022 und Mitte der 2000er Jahre, vor der Finanzkrise.Auch vom Wachstum kam kein gutes Signal. Die amerikanische Wirtschaft wuchs von Januar bis März nur mit einer annualisierten, preisbereinigten Rate von 1,6 Prozent. Zuvor hatte das Handelsministerium noch 2 Prozent gemeldet. Die Revision gehe vor allem auf schwächere Investitionen und Konsumausgaben zurück, hieß es.Die neue, niedrigere Schätzung spiegele vor allem „Abwärtsrevisionen bei Investitionen und Konsumausgaben“ wider, teilte das Handelsministerium mit. Das verheißt wenig Gutes: Oxford Economics erwartet, dass die Konsumausgaben in den Vereinigten Staaten den größten Teil dieses Jahres mit weniger als 2 Prozent wachsen werden. Der fiskalische Rückenwind durch höhere Steuererstattungen lasse nach, während die Belastung durch höhere Benzinpreise zunehme. Oxford Economics sieht darin den Beginn einer schwächeren Konsumphase.CEOs verlieren die ZuversichtAuch andere Indikatoren passen in das schwächere Bild. Das Vertrauen der Vorstandschefs großer Unternehmen fiel im zweiten Quartal um 12 Punkte auf 47 und damit unter die Wachstumsschwelle von 50. Zugleich enttäuschten die Verkäufe neuer Häuser: Höhere Hypothekenzinsen überwogen die Kaufanreize der Bauträger.Ein Gegengewicht liefern bislang die Unternehmensinvestitionen. Zwar gaben die Auftragseingänge für Kerninvestitionsgüter nach zwei starken Monaten nach. Die Auslieferungen stiegen im April aber weiter. Das spricht dafür, dass die Ausrüstungsinvestitionen im zweiten Quartal robust bleiben.„Der Energieschock und die durch den Iran-Krieg ausgelöste Unsicherheit reichten nicht aus, um den Schub durch den KI-Investitionsboom und die Steueranreize aus der One Big Beautiful Bill auszugleichen“, schrieb Matthew Martin von Oxford Economics und Autor des Berichts. Der Tracker des Hauses deutet darauf hin, dass die Investitionen der Unternehmen in Ausrüstung im zweiten Quartal annualisiert um knapp 7 Prozent steigen werden, ergänzte Martin. Das wäre eine Abschwächung gegenüber dem Plus von 17 Prozent im ersten Quartal, aber immer noch ein starkes Signal für die Investitionsbereitschaft der Unternehmen.