Die Gesetze galten zwar schon lange nicht mehr, wurden aber nie formell abgeschafft. Nun will Frankreich seine Sklavengesetze offiziell außer Kraft setzen. Die Abgeordneten der Nationalversammlung stimmten einstimmig für einen entsprechenden Gesetzentwurf, der noch vom Senat gebilligt werden muss. In den 60 Artikeln des sogenannten Code Noir aus dem 17. und 18. Jahrhundert steht unter anderem, dass entflohenen Sklaven die Ohren abgeschnitten werden sollen und Kinder von Sklaven automatisch dem Herrn der Mutter gehören.
Die Gesetzessammlung geht auf Jean-Baptiste Colbert, den Finanzminister von »Sonnenkönig« Ludwig XIV. zurück. Sie legt auch fest, dass Herren ihre Sklaven in Ketten legen und schlagen, »aber nicht foltern« durften.Die 60 Artikel des Kodex umfassten jeden Aspekt des Lebens eines Sklaven. Artikel 44 erklärte eine Person zu »beweglichem Eigentum«, während andere Klauseln die Verstümmelung von Flüchtenden vorschrieben und festlegten, dass das Wort eines Versklavten nichts zählte.
Diskriminierung in Frankreich und ehemaligen KolonienFrankreich steht beim Handel mit Sklaven nach Großbritannien und Portugal an dritter Stelle. Zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert deportierten französische Schiffe schätzungsweise eine Million Menschen von dem afrikanischen Kontinent in die Sklaverei, vor allem auf Plantagen in den Kolonien in der Karibik.Während der Französischen Revolution wurde die Abschaffung der Sklaverei theoretisch beschlossen. Napoleon Bonaparte hob die Dekrete jedoch wieder auf und bestätigte die Gültigkeit des »Code Noir«. Erst 1848 wurde die Sklaverei offiziell abgeschafft. Bewohner der ehemaligen Kolonien und Menschen mit dunkler Hautfarbe in Frankreich prangern bis heute diskriminierende Behandlung an.










