Der Pharmakonzern Bristol Myers Squibb investiert Millionen in eine neue Schweizer Fabrik. Doch künftig fliesst das Geld in die USABristol Myers Squibb würde vom neuenburgischen Boudry aus gerne die gesamte Welt mit Tabletten der neusten Generation beliefern. Doch der Protektionismus der US-Regierung nötigt die Firma, eine zweite Fabrik in den USA zu errichten.28.05.2026, 17.01 Uhr4 LeseminutenDie Anlagen in der neuen Produktionsstätte von Bristol Myers Squibb in Boudry sind hochmodern.Marco Torre / Bristol Myers SquibbErfolgsmeldungen zur Schweizer Pharmaindustrie sind in letzter Zeit selten geworden. Die Branche steht wegen gestiegener Produktions- und Personalkosten sowie verstärkter Konkurrenz durch Generikahersteller unter Druck. Eine Reihe von Unternehmen, unter ihnen auch Schwergewichte wie Novartis, Pfizer, Takeda und Bayer, sahen sich – meist im Rahmen globaler Sparprogramme – gezwungen, ihre Belegschaft in der Schweiz zu verkleinern.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Abgesehen vom schwierigen Marktumfeld, sitzt der Pharmabranche auch der amerikanische Präsident Donald Trump im Nacken. Er hat erwirkt, dass Medikamentenhersteller ohne Investitionspläne in den USA mit einem Zoll von 100 Prozent belastet werden. Vor diesem Hintergrund haben Pharmaunternehmen hastig damit begonnen, ihre Produktionskapazitäten in den Vereinigten Staaten zu erweitern. Ausbauvorhaben in der Schweiz dürften es künftig deutlich schwerer haben. Manche könnten ganz gestrichen werden.Festakt mit Bundespräsident Guy ParmelinEine seltene Gelegenheit zum Feiern bot sich vergangene Woche bei der Eröffnung eines zusätzlichen Produktionsgebäudes des US-Medikamentenherstellers Bristol Myers Squibb (BMS) im neuenburgischen Boudry. Dem Festakt wohnte auch der Bundespräsident und Wirtschaftsminister Guy Parmelin bei.Wie die NZZ von der Chefin des globalen Produktionsnetzes von BMS, Karin Shanahan, erfuhr, war der Entscheid für diese Investition über ein Jahr vor der nochmaligen Wahl Trumps zum US-Präsidenten gefallen. Das Projekt sei 2023/24 gestartet worden, sagt die amerikanische Managerin in einem schicken Bürobau, der ebenfalls zum Werk in Boudry gehört und den Beschäftigten einen phantastischen Blick über den Neuenburgersee bietet.Im neuen Produktionsgebäude werden Tabletten und Kapseln mit den neusten Wirkstoffen des Pharmakonzerns hergestellt. «Wir produzieren hier für Märkte weltweit», erklärt Shanahan. Sie macht damit klar, dass dem Werk bis auf weiteres auch eine wichtige Funktion bei der Versorgung amerikanischer Patienten zukommt.Zolldrohungen zwingen zur NeuplanungBMS hat wie fast alle führenden Medikamentenhersteller mit der US-Regierung ein Abkommen geschlossen, das den Konzern in den nächsten drei Jahren von Zöllen befreit. Im Gegenzug sagte der Konzern aber Investitionen im Gesamtwert von 40 Milliarden Dollar in den Vereinigten Staaten zu.Die Investitionen sehen auch den Bau einer Fabrik nach dem Vorbild des neuen Produktionsgebäudes in Boudry vor. Wo das neue Werk in den USA hinkommen soll, steht zurzeit noch nicht fest. Laut der Managerin Karin Shanahan, die wegen ihrer deutschen Mutter auch Deutsch spricht, wurde die Suche inzwischen auf die drei Gliedstaaten North Carolina, Texas und Indiana eingegrenzt.Auch wenn es Shanahan nicht anspricht, ist anzunehmen, dass einzig die Zolldrohungen Trumps BMS veranlasst haben, den Bau dieses Zwillings in Angriff zu nähmen. In Boudry besässe der Konzern dank dem neuen Produktionsgebäude ausreichend Kapazitäten, um auch den amerikanischen Markt zu bedienen. Man habe das gesamte Personal dafür, hiess es während eines Rundgangs durch die Fabrik.Das Gebäude für die neue Fabrik war schon vorhanden, musste aber komplett umgebaut und neu ausgerüstet werden.Marco Torre / Bristol Myers Squibb / NZZ – BildredaktionFür die Einrichtung des neuen Werks nahm BMS viel Geld in die Hand. Obschon das Gebäude schon vorhanden war und somit lediglich umgebaut sowie mit dem nötigen Maschinenpark ausgestattet werden musste, flossen 310 Millionen Dollar in das Projekt.«Wir gehören zu Avantgarde»Ein zentraler Bestandteil der Investition ist eine riesige, drei Meter Meter hohe Anlage des deutschen Maschinenherstellers GEA. Sie ermöglicht in einem einzigen Schritt die Herstellung von Tabletten mitsamt der exakten Vermengung der pulverförmigen Wirk- und Hilfsstoffe. In den meisten Pharmawerken erfolgt dieser Prozess noch immer in mehreren Schritten (Batch-Produktion) und ist entsprechend aufwendiger. Dies sei die erste solche Anlage im Produktionsnetz von BMS, sagte die Produktionsleiterin Selina Günther. «Wir gehören zur Avantgarde.»BMS beschäftigt in Boudry über 1000 Mitarbeitende. Gut die Hälfte von ihnen arbeitet im Bereich der Produktion. In einem weiteren Produktionsgebäude, das seit den Anfängen des Standorts vor rund 20 Jahren besteht, stellt der Konzern auch eine Reihe schon älterer Medikamente für den Weltmarkt her. BMS gelangte 2019 in den Besitz des Standorts, und zwar im Rahmen der Akquisition des amerikanischen Biotechnologieunternehmens Celgene.Kampf gegen rückläufige EinnahmenDie damalige Transaktion im Wert von 74 Milliarden Dollar zählt bis heute zu den drei grössten Übernahmen in der Pharmabranche. Sie ermöglichte BMS vor allem dank dem Erwerb des Krebsmittels Revlimid einen Umsatzsprung. Mittlerweile kämpft der Medikamentenhersteller aber mit der Aussicht auf stark rückläufige Einnahmen. Laut Schätzungen von S&P Capital dürfte der Konzernerlös bis 2028 um 15 Prozent auf 41 Milliarden Dollar sinken.Marktbeobachter der Investmentbank Morgan Stanley weisen darauf hin, dass BMS mit wegbrechenden Einnahmen aus der Vermarktung einer Reihe älterer Produkte rechnen müsse. Dazu zähle besonders der bisherige Umsatzrenner Eliquis. Der Blutverdünner stehe kurz davor, von Generika bedrängt zu werden.Der Pharmakonzern hofft, dank einer Reihe von neuen Präparaten frischen Schwung zu erhalten. Dazu zählt auch das Krebsmedikament Iberdomide, mit dem BMS die frühere Erfolgsgeschichte im Bereich der Vermarktung von Revlimid fortschreiben möchte. Das Produkt, das ebenfalls zur Behandlung des Blutkrebs vom Typ Multiples Myelom vorgesehen ist, soll im neuen Werk in Boudry hergestellt werden. Noch muss das Präparat aber von den Gesundheitsbehörden freigegeben werden. Der Zulassungsentscheid in den USA wird Mitte August erwartet.Die Analysten von Morgan Stanley trauen dem Produkt lediglich einen jährlichen Spitzenumsatz von gut einer Milliarde Dollar zu. Laut ihren Angaben herrscht unter den Anbietern von Therapien gegen das Multiple Myelom ein harter Konkurrenzkampf. Dies begrenze das Marktpotenzial.Passend zum Artikel
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Bristol Myers Squibb würde vom neuenburgischen Boudry aus gerne die gesamte Welt mit Tabletten der neusten Generation beliefern. Doch der Protektionismus der US-Regierung nötigt die Firma, eine zweite Fabrik in den USA zu errichten.







