Seit Wochen befindet sich der Fußball-Weltverband beim Thema WM-Tickets im Verteidigungsmodus. Die Empörung in der globalen Fußballgemeinde ist ziemlich groß: wegen der hohen, oft vierstelligen Preise, die für ein WM-Billett zu entrichten sind – und wegen vieler intransparenter Vorgänge rund um die Vergabe der Eintrittskarten. Selbst US-Präsident Donald Trump gab zwischendurch Alarmierendes zum Besten: Diese Tickets seien so teuer, dass er sich keines kaufen würde. Hartnäckig wehrten sich Fifa-Präsident Gianni Infantino und sein Verband gegen die Kritik und sprachen von „Marktpreisen“. Doch jetzt, zwei Wochen vor dem Beginn des Turniers, erreicht das Thema eine neue Eskalationsstufe.Am Mittwoch kündigten die Generalstaatsanwältinnen der US-Bundesstaaten New York und New Jersey an, dass sie wegen der Ticketverkaufspraktiken des Fußball-Weltverbands eine Untersuchung eröffnen würden. Demnach haben sie auch schon die Fifa konkret mit ihren Vorhaltungen konfrontiert und um Antworten gebeten. Der Hintergrund ihrer Ermittlungen seien rasant explodierende Preise sowie Berichte, wonach Fans über die Lage ihrer Sitzplätze getäuscht wurden.Fußball-WM 2026:Don und Johnny halten die Hand aufUS-Präsident Trump und Fifa-Boss Infantino lenken die WM-Vorbereitungen wie ein bizarres Festspielkomitee. Dabei verfolgt der Weltverband ein ganz eigenes Ziel: das Turnier und die Fans auszupressen wie eine Zitrone.„Ehrlichkeit beim Ticketverkauf ist nicht kompliziert. Doch die Fifa hat den Ticketkauf für die Weltmeisterschaft zu einem wahren Labyrinth aus Verwirrung, künstlicher Verknappung und horrenden Preisen gemacht – und das alles auf Kosten der Verbraucher“, sagte die Generalstaatsanwältin von New Jersey, Jennifer Davenport: „Es ist uns eine Ehre, die Weltmeisterschaft auszurichten. Aber dieses Ereignis ist keine Einladung, unsere Einwohner und Besucher auszubeuten.“Ähnlich harsch formulierte es ihre New Yorker Kollegin Letitia James. „Die New Yorker (…) haben ein Recht auf bezahlbare Tickets“, sagte sie: „Niemand sollte dazu genötigt werden, überhöhte Preise für Sitzplätze zu zahlen, und die Fans sollten sich darauf verlassen können, dass sie die gekauften Tickets auch erhalten.“ Im MetLife Stadium, nur wenige Kilometer von New York entfernt in East Rutherford, New Jersey, gelegen, finden acht WM-Spiele statt, darunter das Finale, wo die Preise besonders horrend sind. Die Fifa sagte auf eine SZ-Anfrage zur Eröffnung der Ermittlungen und den zugrunde liegenden Vorwürfen, man wolle das nicht kommentieren.Fans beschweren sich, dass sie ein Ticket für die Kategorie eins gekauft haben. Und dann in der Kategorie zwei landenDas Ticketing ist bei Fußball-Weltmeisterschaften und anderen großen Sportveranstaltungen schon oft ein Fall für die Justiz gewesen. Meist ging es dabei darum, wie Funktionäre auf dem Schwarzmarkt mit teuren Tickets lukrative Zusatzgeschäfte tätigten. Das könnte auch diesmal ein Thema werden, zumal die Fifa die Ticketkontingente für die einzelnen Verbände kürzlich erhöht hat. Noch nie so krass wie diesmal war aber der Umgang mit den Tickets für die Zuschauer – und genau das nehmen die Staatsanwaltschaften jetzt ins Visier.Angeblich sind bei der Fifa eine halbe Milliarde Ticketanfragen eingegangen, mehr als 90 Prozent der Tickets sollen bereits verkauft sein. Dabei gibt es rund ums Ticketing allerlei Problembereiche. Da ist zum einen das sogenannte Dynamic Pricing, also das Prinzip, dass sich die Ticketpreise je nach Nachfrage ständig verändern können. Obendrein hat die Fifa eine Weiterverkaufsplattform eingerichtet, von der sie selbst zusätzlich profitiert, indem sie insgesamt 30 Prozent der Summe als Kommission einsteckt. Und schließlich herrscht große, offenkundig erwünschte Intransparenz bei der Vergabe der Tickets.Die Staatsanwaltschaften wollen nun Berichten nachgehen, denen zufolge manche Fans gar nicht die Tickets der bezahlten Kategorie erhalten hätten. So hätten sie zwar Tickets der Kategorie eins bezahlt, aber nur Tickets der Kategorie zwei weiter weg vom Spielfeld bekommen. In manchen Fällen sei der Ablauf besonders perfide gewesen, weil die Fans Tickets einer bestimmten Kategorie erworben hätten – aber danach die Einteilung, welcher Sitzplatz in welche Kategorie falle, geändert wurde. Als dies erstmals aufflog, erklärte die Fifa, die Sitzpläne der Stadien im Herbst seien nur „als Orientierungshilfe“ für die Fans und „nicht als exakte Sitzplatzverteilung konzipiert“ worden.Auch in Deutschland werden Vorgänge rund ums Ticketing geprüftDer Vorstoß der Generalstaatsanwaltschaften ist bemerkenswert. Bisher war das Verhältnis der Fifa zur US-Spitze und auch zur US-Justiz gut. Es war auch erstaunlich, dass Gianni Infantino ohne Schaden durch die Zeit der großen amerikanischen Fifa-Gate-Ermittlungen kam, obwohl er in seiner Zeit als Funktionär bei Europas Fußball-Union (Uefa) ein ominöses Geschäft mit berüchtigten und von den USA angeklagten Fernsehrechtehändlern abgeschlossen hatte. Aber jetzt kommt die Gegenwehr aus der US-Justiz von demokratisch regierten Bundesstaaten.Dabei könnten die amerikanischen Stellen nicht die einzigen sein, bei denen die Ticketvergabepraxis juristische Folgen hat. So haben auch die europäische Verbraucherorganisation Euroconsumers und das Fanbündnis Football Supporters Europe bei der Europäischen Kommission eine Beschwerde eingelegt: Die Fifa missbrauche ihre Monopolstellung, um den Fans überhöhte Preise und unfaire Bedingungen aufzuzwingen.In der Schweiz wiederum wurde bereits im Herbst die interkantonale Geldspielaufsicht (Gespa) tätig. Dort ging es um die sogenannten „Right-to-Buy-Token“: Die Fans konnten über eine Plattform der Fifa eine Art digitales Vorkaufsrecht auf Tickets erwerben, bevor überhaupt die WM-Teilnehmer feststanden. Wegen des spekulativen Charakters dieser Konstruktion reichte die Gespa Strafanzeige gegen die Plattform ein. Daraufhin sperrte die Fifa flott das Angebot für Kunden aus der Schweiz.Andernorts sind die Nachforschungen aber noch in vollem Gang – auch in Deutschland. Da ist für solche Themen die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) mit Sitz in Halle zuständig. Am Donnerstag erklärte sie lediglich, „dass zu laufenden Verwaltungsverfahren keine Auskunft erteilt werden kann“.
US-Justiz ermittelt wegen WM-Tickets und deren Vergabe durch die Fifa
Der Streit über hohen Preise für WM-Tickets erreicht eine neue Eskalationsstufe: Die US-Justiz ermittelt gegen die Fifa













