Verhandeln und schiessen: Die USA und Iran kommen sich keinen Schritt näherBei erneuten Angriffen auf Iran sehen sich die USA weiterhin im Modus der Selbstverteidigung. Die Waffenruhe gilt derweil seit Anfang April. Wie weit sind die Länder von einem Abkommen entfernt?28.05.2026, 11.18 Uhr3 LeseminutenDer Strand von Bandar Abbas wirkt friedlich. Doch die Hauptstadt der iranischen Region Hormuzgan gilt als eines der militärischen Zentren Irans. In der Nacht auf 28. Mai zerstörten die USA eine Drohnenanlage in der Nähe der Stadt.Majid-Asgaripour / Wana News AgencyTrotz einer seit Wochen geltenden Waffenruhe haben sich die USA und Iran in der Nacht auf Donnerstag erneut angegriffen. Im Zentrum steht nach wie vor die Strasse von Hormuz — jene Meerenge, über die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gashandels läuft und die Iran seit dem Kriegsbeginn Ende Februar faktisch kontrolliert. In Hintergrundgesprächen verhandeln Abgesandte über ein mögliches Kriegsende, militärisch aber eskaliert die Lage. Die wichtigsten Fragen und Antworten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.InhaltsverzeichnisWas ist zuletzt geschehen?Warum ist Bandar Abbas so zentral?Was will Trump?Was fordert Iran?Gibt es einen Ausweg?Was ist zuletzt geschehen?In der Nacht auf den 28. Mai haben sich die USA und Iran erneut angegriffen. Die amerikanischen Streitkräfte zerstörten eine Drohnenanlage nahe Bandar Abbas, einer Stadt am Persischen Golf. Washington bezeichnet die Angriffe als «Selbstverteidigung». Iran wiederum schoss auf eine US-Luftwaffenbasis – den genauen Ort nannte Iran nicht – und soll einen amerikanischen Öltanker zur Umkehr gezwungen haben. Im Hintergrund laufen derweil Verhandlungen über ein Kriegsende. Die Positionen beider Seiten sind allerdings weiterhin kaum zu vereinen. Zudem meldete Kuwait Raketen- und Drohnenangriffe, über die Herkunft dieser sprach das Land nicht. Die Lage ist unübersichtlich und volatil.Warum ist Bandar Abbas so zentral?Die Hauptstadt der Provinz Hormuzgan gilt als eines der wichtigsten militärischen Zentren Irans im Golfraum. Von dort aus koordiniert Teheran auch den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormuz: Reedereien müssen sich für eine Durchfahrt mit iranischen Kontaktstellen abstimmen und dürfen nur einen Korridor nahe der iranischen Küste passieren. Dafür verlangt Teheran hohe Gebühren. Das amerikanische Finanzministerium setzte die für die Gebührenerhebung zuständige Behörde deswegen auf die Sanktionsliste.Was will Trump?Der amerikanische Präsident Donald Trump erklärte in einer Kabinettssitzung, niemand werde die Strasse von Hormuz kontrollieren. Die USA achteten darauf. Immer wieder betont Trump, Iran sei «sehr entschlossen» und wolle «unbedingt» ein Abkommen schliessen. Die Verhandlungen dazu beschreibt der Amerikaner allerdings als «nicht zufriedenstellend» und droht immer wieder, man werde entweder einen Deal abschliessen oder die Auseinandersetzung zu Ende bringen.Was fordert Iran?Laut dem iranischen Abgeordneten Ebrahim Azizi, im iranischen Parlament zuständig für Nationale Sicherheit, hat Iran «drei rote Linien»: das Recht auf Urananreicherung, die Kontrolle über die Strasse von Hormuz und die vollständige Aufhebung der Sanktionen. Eine Kernforderung der USA und Israels ist dagegen, dass Iran niemals in den Besitz einer Atomwaffe kommen dürfe. Somit bleiben die Positionen weiterhin unvereinbar. Beide Seiten verhandeln zwar, greifen sich aber weiterhin an, Waffenruhe hin oder her.Gibt es einen Ausweg?Das Ende der Gespräche riskiert keine der beiden Seiten. Auf dem Tisch liegt eine Verlängerung der Waffenruhe um 60 Tage: Iran soll in dieser Zeit auf Hormuz-Gebühren verzichten, die USA sollen Sanktionen lockern. Dann müsste weiterverhandelt werden, um ein endgültiges Abkommen zu unterschreiben. Trump hat zudem ein Teil-Nachgeben beim Atomstreit signalisiert. Das hochangereicherte Uran müsste nicht zwingend an die USA übergeben werden, sondern könnte auch unter der Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) vor Ort vernichtet werden.Iran aber besteht auf die Kontrolle über die Strasse von Hormuz, auf Urananreicherung und auf die Freigabe von rund 24 Milliarden Dollar eingefrorener Vermögenswerte. Zusätzlich droht die israelische Offensive in Libanon die Gespräche zu sprengen, denn Iran macht einen vollständigen Waffenstillstand dort zur Bedingung für ein Abkommen.Es ist eine Pattsituation, Ausweg nicht in Sicht.Passend zum Artikel