Die USA greifen erneut Iran an – doch die Verhandlungen um ein Kriegsende sollen weitergehenBei den Attacken in der Nacht auf Dienstag beruft sich Washington auf die Selbstverteidigung. Gleichzeitig droht auch in Libanon eine Eskalation. Ist ein Abkommen trotzdem noch möglich?26.05.2026, 10.25 Uhr4 LeseminutenSchiffe warten in der Strasse von Hormuz: Noch immer ist die Meerenge gesperrt.ReutersAm späten Montagabend haben die USA iranische Minenleger in der Strasse von Hormuz sowie Raketenabschussrampen in Südiran bombardiert. Das teilte ein Sprecher des amerikanischen Regionalkommandos für den Nahen Osten (Centcom) mit. Die «Angriffe zur Selbstverteidigung» dienten laut dem Militär der USA dem Schutz der eigenen Truppen vor der Bedrohung durch Iran. Gleichzeitig würden die USA weiterhin «Zurückhaltung während der andauernden Waffenruhe» üben, teilte ein Centcom-Sprecher mit.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. 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Am Montagabend hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu das Militär angewiesen, seine Angriffe auf die von Iran unterstützte Schiitenmiliz Hizbullah in Libanon auszuweiten. Teheran hatte in der Vergangenheit erklärt, dass ein vollständiger Waffenstillstand in Libanon Teil eines Abkommens mit den USA sein müsse.Trump gibt bei angereichertem Uran nachDerzeit liegt laut Berichten eine Verlängerung der brüchigen Waffenruhe in Iran um weitere sechzig Tage auf dem Tisch. In dieser Zeit würde Iran keine Gebühren für eine Durchfahrt von Schiffen in der Strasse von Hormuz erheben. Die USA sollen im Gegenzug die Sanktionen gegen Iran lockern, während mit Teheran über ein endgültiges Friedensabkommen verhandelt würde.Doch die wichtigen Fragen rund um Teherans Atomprogramm bleiben weiterhin ungeklärt. Während die USA ein vollständiges Ende der nuklearen Ambitionen Irans fordern, weigert sich die Islamische Republik, verbindliche Zusagen zu machen.Bei einem zentralen Aspekt scheint Donald Trump allerdings teilweise nachzugeben. In der Nacht auf Dienstag schrieb der amerikanische Präsident auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social, dass Iran seine Bestände an hoch angereichertem Uran entweder an die USA übergeben oder unter den Augen der Internationalen Atomenergiebehörde vor Ort «zerstören» müsse. Zuvor hatten die USA auf einer Übergabe des waffenfähigen Urans bestanden, was Irans oberster Führer Mojtaba Khamenei laut Berichten ablehnt.Iran will die Strasse von Hormuz kontrollierenDoch auch weitere strittige Fragen zwischen Washington und Teheran bleiben ungeklärt. So fordern die USA eine freie Schifffahrt durch die Strasse von Hormuz als Vorbedingung für weitere Verhandlungen. Teheran will seine Kontrolle über das maritime Nadelöhr jedoch fortsetzen.Am Montag teilte ein Sprecher des iranischen Aussenamts mit, die Islamische Republik habe nicht die Absicht, eine Maut für die Passage durch die Wasserstrasse zu erheben. Allerdings seien Schiffe künftig dazu verpflichtet, Gebühren für spezifische «Dienstleistungen» der iranischen Behörde für die Strasse von Hormuz zu bezahlen.Ein solches Arrangement dürften die USA nicht akzeptieren. Marco Rubio sagte am Dienstag, die Strasse von Hormuz werde «auf die eine oder andere Weise» geöffnet werden. Darauf drängen auch die amerikanischen Verbündeten am Golf. Den arabischen Petrostaaten graut es bereits vor einem iranischen Regime, das in Zukunft ihre wichtigste Exportroute für Öl und Gas kontrolliert.Kehrt der Krieg nach Libanon zurück?Ebenso bleibt offen, ob Iran auf seiner Forderung eines vollständigen Waffenstillstandes in der gesamten Region beharrt – und damit auch ein Ende der israelischen Bombardements in Libanon zur Bedingung eines Abkommens erklärt. Seitdem Israel am 17. April einer nominellen Waffenruhe zugestimmt hat, bombardiert der jüdische Staat weiterhin mutmassliche Hizbullah-Stellungen im nördlichen Nachbarland.Israel bombardiert weiterhin Ziele in Südlibanon: Rauchwolken über der Stadt Nabatiye.ReutersNach Benjamin Netanyahus Ankündigung am Montagabend, die Angriffe gegen den Hizbullah zu intensivieren, flog Israels Luftwaffe mehrere Attacken in Südlibanon sowie in der Bekaa-Ebene im Osten des Landes. Von neuerlichen Angriffen auf die Hauptstadt Beirut scheint Israel vorerst aber abzusehen.Laut dem katarischen Fernsehsender al-Jazeera soll Teheran die USA davor gewarnt haben, dass Luftangriffe auf Beirut oder die Hizbullah-Hochburg Dahiye im Süden der Hauptstadt eine rote Linie für das Regime darstellen und die Verhandlungen ernsthaft gefährden würden.In den vergangenen Tagen hatte der Hizbullah Israels Armee durch Angriffe mit Glasfaserdrohnen immer wieder empfindliche Nadelstiche versetzt. Offenbar befürchtet Jerusalem, dass ein Abkommen zwischen den USA und Iran die eigene Handlungsfreiheit in Libanon beschränken würde. Womöglich könnte Israels Armee sogar gezwungen sein, aus den besetzten Gebieten entlang der Grenze in Südlibanon abzuziehen.Noch scheinen die beteiligten Parteien eine vollständige Rückkehr zum Krieg zu scheuen – und sind dennoch nicht zu Zugeständnissen für einen langfristigen Waffenstillstand oder gar einen Frieden bereit. Falls ein Durchbruch in den nächsten Tagen ausbleibt, besteht die Gefahr, dass die derzeitige Situation in der Region andauert: ein schwelender Konflikt, der immer wieder aufflammt.Passend zum Artikel