Germaine Acogny im Radialsystem Berlin: Den Blick auf die Seele lenken

Der Körper als Ort der Neuerfindung: Germaine Acogny, Pionierin des zeitgenössischen afrikanischen Tanzes, zeigte in Berlin eine Soloperformance.

Germaine Acogny während ihres Solos „Somewhere at the Beginning“ im Berliner Radialsystem

Thomas Dorn

Am Anfang ist der Blick. Germaine Acogny lässt sich Zeit, um Kontakt zum Publikum herzustellen. Es erblickt sie: kraftvoll und muskulös, im langen schwarzen Kleid, standhaft zurückblickend. Dann erst beginnt sie ihren Tanz in Stille: in ihre Handfläche schauen, sich an den Schädel klopfen, mit zwei Fingern Botschaften auf die Erde und in die Luft zeichnen. Das gelbe Kissen liebkost sie ein wenig kindlich, ein wenig mütterlich. Ihr zwischen Jugend, Weisheit und Fratze changierendes Gesicht lässt die hohe Zahl, die ihr Alter im Begleitflyer beziffert, verblassen.