Am Mittwoch ist es wieder zu Kampfhandlungen im Persischen Golf gekommen. Abermals ist auf amerikanischer Seite von Selbstverteidigung die Rede. Inmitten stockender Verhandlungen erhöht der amerikanische Präsident Donald Trump so den Druck auf Teheran. Ein Regierungsvertreter in Washington teilte am Mittwochabend mit, die amerikanischen Streitkräfte hätten Ziele in Südiran angegriffen – trotz der Anfang April vereinbarten Waffenruhe zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen.Man habe vier bewaffnete Drohnen abgeschossen, die Iran über der Straße von Hormus gestartet hatte. Diese hätten eine Bedrohung für die amerikanischen Streitkräfte und für die – ohnehin eingeschränkte – kommerzielle Schifffahrt dargestellt. Dann habe man die Kontrollstation der Drohnen in der Hafenstadt Bandar Abbas angegriffen, bevor das iranische Militär eine fünfte Drohne starten konnte.„Die Maßnahmen waren ‌maßvoll, rein defensiv und dazu bestimmt, den Waffenstillstand aufrechtzuerhalten“, sagte der Regierungsvertreter. Auch die iranische Nachrichtenagentur Fars meldete Explosionen östlich der Stadt Bandar Abbas an der Straße von Hormus. Die iranische Luftverteidigung sei aktiviert worden. Bandar Abbas ist die Hauptstadt der Provinz Hormusgan und eines der wichtigsten militärischen Zentren Irans am Golf und der Straße von Hormus.Trump droht OmanZuvor hatte Trump in einer öffentlichen Kabinettssitzung im Weißen Haus einen Bericht des iranischen Staatsfernsehens zurückgewiesen, wonach es einen inoffiziellen Entwurf für ein Abkommen zur Wiederherstellung ⁠des Schiffsverkehrs in der ‌Straße von Hormus gebe, nach dem Iran und Oman den Verkehr gemeinsam regeln sollten. „Niemand wird die Meerenge kontrollieren“, sagte der Präsident. „Es sind internationale Gewässer, ⁠und Oman ⁠wird sich wie jeder andere verhalten, oder wir müssen sie in die Luft ⁠jagen.“Die Drohung gegen Oman, das eine wichtige Vermittlerrolle in der Region spielt, stellt eine rhetorische Eskalation dar. Das Weiße Haus und die Botschaft Omans ‌in Washington reagierten zunächst nicht auf Bitten um Stellungnahme.Trump sagte weiter, er mache sich keine Sorgen über die politischen Folgen eines anhaltenden Konflikts mit Iran. Teheran habe sich getäuscht, wenn es geglaubt habe, die Kongresswahlen im November würden ihn zu einem Abkommen zwingen. „Die Midterms interessieren mich nicht“, sagte Trump, der in den vergangenen Wochen immer wieder nahegelegt hatte, ein vorläufiges Abkommen mit Teheran sei so gut wie verhandelt. Zuvor hatte er mehrfach von Teheran eine bedingungslose Kapitulation verlangt.Trump machte ebenfalls deutlich, er ‌fühle sich nicht wohl bei dem Gedanken, ‌dass die iranischen Bestände an hochangereichertem Uran an China oder Russland übergeben werden könnten. Auch gehe es in den Gesprächen mit Iran nicht um die Lockerung von Sanktionen. „Nein, wir sprechen nicht über irgendeine Lockerung von Sanktionen“, sagte Trump im Weißen Haus. Der Verhandlungsstand für ein „Memorandum of Understanding“ sei noch nicht zufriedenstellend. Teheran wolle unbedingt ein Abkommen schließen, sagte er. Er sei aber damit bisher nicht „zufrieden“. Der Präsident bekräftigte, dass man entweder einen Deal abschließen oder weiter kämpfen werde. Dann werde man „die Sache zu Ende“ zu bringen.Trump wiederholte seine Forderung, Saudi-Arabien und Qatar müssten dem Abraham-Abkommen beitreten und ihre Beziehungen zum Staat Israel normalisieren. „Ich glaube, sie schulden uns das“, sagte er. Dann wandte er sich an seinen Sondergesandten Steve Witkoff und fragte ihn, ob es ihm gelingen werde, die Unterschriften aus Riad und Doha zu erhalten. Witkoff reagierte ausweichend: „Wir machen auf jeden Fall Druck.“ Trump erwiderte daraufhin: „Ich bin nicht sicher, ob wir ohne deren Unterschrift einen Deal (zur Beendigung des Irankrieges) machen sollten.“ Saudi-Arabien und Qatar machen Zugeständnisse Israels an die Palästinenser mit Blick auf eine Rückkehr zur Zwei-Staaten-Lösung zur Bedingung für einen Beitritt zu den Abkommen.