Immer mehr Menschen wollen ihren Strom selbst erzeugen. Angesichts der weltpolitischen Querelen und der damit einhergehenden Sorgen um die Sicherheit der Energieversorgung setzen sie auf die Kraft der Sonne. Ein erster und verhältnismäßig einfacher Schritt zur Selbstversorgung ist ein sogenanntes Balkonkraftwerk. Die kleinen Steckeranlagen mit einem bis vier Photovoltaikmodulen können direkt am Balkon angebracht werden und werden immer beliebter. Anfang 2026 waren deutschlandweit bereits mehr als 1,3 Millionen Balkonkraftwerke registriert. Auch in der Region nutzen immer mehr Menschen den Strom vom Balkon – allein im Landkreis München sind laut Angaben des Landratsamts mehr als 4500 Anlagen registriert.Viele Landratsämter und Kommunen werben für die Mini-Solaranlagen für den Eigenverbrauch. Im Landkreis Ebersberg etwa stellen Privatleute, die solche Anlagen bereits nutzen, als sogenannte Solarbotschafter ihre Expertise anderen Interessierten zur Verfügung. Der Landkreis München hat bereits zum zweiten Mal eine Sammelbestellaktion für Balkonkraftwerke initiiert. Die Nachfrage war groß: Informationsveranstaltungen waren ausgebucht, mehr als 250 Anfragen gingen ein. Am Ende wurden 100 Anlagen bestellt. Das Start-up-Unternehmen Solardet aus Glonn übernimmt die Bestellung der Solaranlagen und installiert diese auf Wunsch bei den künftigen Besitzern.„Ein Balkonkraftwerk ist eine gute Einstiegsmöglichkeit für alle, die sich für private Photovoltaik interessieren, aber nicht gleich eine Dachanlage installieren möchten“, sagt Jonas Glaser, einer der beiden Geschäftsführer und Gründer der Firma. „Auch weil die Anlagen relativ günstig sind.“Zur Anlage zählt neben einem bis vier Solarmodulen, die an der Balkonbrüstung befestigt werden, ein Wechselrichter. Dieser wandelt den von den Solarmodulen erzeugten Gleichstrom in haushaltsüblichen Wechselstrom um. Der Strom kann dann über ein Kabel und Stecker ins Netz eingespeist werden. Grundsätzlich gilt: Ein Balkonkraftwerk darf maximal eine Leistung von 2000 Watt Peak haben, dabei ist die Einspeiseleistung seit dem Inkrafttreten des „Solarpakets I“ der Bundesregierung im Mai 2024 auf 800 Watt begrenzt; zuvor lag sie bei 600 Watt.Anders als der Name vermuten lässt, muss die Mini-Solaranlage nicht zwingend auf dem Balkon installiert werden. Sie kann auch im Garten, auf einem Schuppen oder einem Carport aufgebaut werden. Der erzeugte Strom lässt sich direkt für den Eigenbedarf nutzen. „Typische Geräte, die täglich laufen und die sogenannte Grundlast in einem Haushalt bilden, sind etwa der Kühlschrank oder der Internetrouter“, sagt Glaser. „Für diese Grundlast sind Balkonkraftwerke perfekt geeignet.“ Diesen Bedarf decke der Strom vom Balkon leicht ab. „Wenn Sie dann noch die Waschmaschine anstellen, wenn gerade die Sonne scheint, sehen Sie schon eine sichtbare Reduktion der Stromkosten auf Ihrer Jahresrechnung“, sagt Glaser.Jonas Glaser (links) und Jenö-Justus Kolbe sind die Gründer und Geschäftsführer von Solardet. Das Start-up-Untenehmen aus Glonn hat sich auf Balkonkraftwerke spezialisiert. Solardet GmbHWer sich einen Speicher dazu anschafft, kann auch noch Energie in die Abendstunden mitnehmen, wenn erfahrungsgemäß der Stromverbrauch steigt. Speicher seien heute verhältnismäßig günstig zu haben, erklärt Glaser; ein Gerät mit einer Speicherkapazität von zwei Kilowattstunden koste etwa 600 Euro. Wie hoch die finanzielle Ersparnis im Jahr tatsächlich ist, kann jedoch deutlich variieren. „Die Rentabilität hängt stark vom Eigenverbrauch ab. Das kann von etwa 70 Euro im Jahr bis zu 300 Euro reichen“, sagt der Geschäftsführer von Solardet.Wer wissen will, ob sich der eigene Balkon zur Stromgewinnung eignet, kann dies vorab etwa beim Steckersolar-Simulator der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin prüfen. Einrichtungen wie die Energieagentur Ebersberg-München bieten zudem regelmäßig Infoabende an. Dabei ist die Ausrichtung des Balkons laut Glaser erst einmal kein Hinderungsgrund. „Ob man einen Süd-, West- oder Ostbalkon hat, ist erst einmal völlig egal“, sagt er. Solarmodule produzieren auch bei bewölktem Himmel Strom. Für die Wirtschaftlichkeit sei es allerdings wichtig, dass der Balkon nicht dauerhaft im Schatten liegt, sondern zumindest ab und zu direkte Sonneneinstrahlung erfährt, sagt Glaser.Zum Teil werden strenge Auflagen gemachtBalkonkraftwerke können sowohl Mieter als auch Eigentümer anbringen. Vor der Installation gilt es jedoch ein paar Dinge zu beachten. „Wer eine Anlage anbringen will, muss sich zunächst von der Hausverwaltung respektive dem Eigentümer eine Genehmigung einholen“, erklärt Glaser. Seit Inkrafttreten des Solarpakets I darf ein Balkonkraftwerk grundsätzlich nicht mehr verboten werden. Allerdings würden Interessenten zum Teil strenge Auflagen gemacht, sagt Glaser.Bei der Wahl der Anlage rät der Experte, sowohl bei den PV-Modulen als auch bei der Halterung auf Qualität zu achten und sich nicht von vermeintlichen Schnäppchen täuschen zu lassen. „Man sollte beim Kauf immer Preis und Sicherheit abwägen, auf Garantiezeiten achten und bedenken, dass auch die Befestigung 30 Jahre halten sollte.“ Orientierung bieten dabei Normen und Zertifikate.Vor dem Kauf lohnt es sich auch, sich über lokale Fördermöglichkeiten zu informieren. Viele Kommunen unterstützen den Kauf von Balkonkraftwerken. Wer sich am Ende zu einer Anschaffung entschließt, sollte zwei Dinge beachten: Jede Steckersolaranlage muss im Marktstammdatenregister angemeldet werden; das ist relativ unkompliziert online über die Website möglich. Außerdem rät Glaser dazu, sein neues Balkonkraftwerk gleich bei der Haftpflichtversicherung anzugeben: „Bei den meisten Versicherungen ist das sogar kostenlos dabei.“