In Spanien wenden sich immer mehr politische Partner von Ministerpräsident Pedro Sánchez ab. Angesichts der Korruptionsvorwürfe gegen den früheren sozialistischen Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero hat nicht nur die rechte Opposition Neuwahlen gefordert. Die baskischen Nationalisten (PNV) verlangten, die Parlamentswahl vorzuziehen, die regulär im Jahr 2027 ansteht. Auch die linke Podemos-Partei und die Regionalpartei Coalición Canaria teilten mit, kein Vertrauen in Sánchez mehr zu haben.In der eigenen sozialistischen PSOE-Partei sprachen sich der Regionalpräsident von Kastilien-La Mancha, Emiliano García-Page, und der frühere sozialistische Regierungschef Felipe González dafür aus, die Wahl vorzuziehen oder wenigstens die Vertrauensfrage zu stellen. „Das ist der gefährlichste Moment für die PSOE seit Beginn der Demokratie“, warnte García-Page. Er gehört zu den schärfsten Kritikern von Sánchez.Zum zweiten Mal wird die Parteizentrale durchsuchtDer Parteivorsitzende zeigte sich von den Vorwürfen gegen seinen Unterstützer und Vertrauten Zapatero unbeeindruckt und setzte seine internationale Agenda fort. Nach einer Rede vor der UN-Ernährungsorganisation FAO hatte er am Mittwoch eine Audienz beim Papst, der am 6. Juni nach Spanien kommt.Im Ausland wird Pedro Sánchez unter anderem dafür wahrgenommen, dass er dem amerikanischen Präsidenten die Stirn bietet, Hunderttausende Migranten legalisieren lässt und die Wirtschaft Spaniens wächst. Zu Hause wächst jedoch der Druck auf den Sozialisten. Am Wochenende hatten Zehntausende in Madrid gegen Sánchez demonstriert. Und am Mittwoch durchsuchten Beamte einer Antikorruptionseinheit zum zweiten Mal innerhalb von acht Tagen die Madrider Zentrale der PSOE-Partei – dieses Mal geht es laut Presseberichten um den Verdacht auf illegale Parteienfinanzierung. Auch mehrere Wohnungen von PSOE-Politikern wurden durchsucht.Am Donnerstag beginnt in Badajoz zudem der Prozess gegen Sánchez’ Bruder David wegen des Vorwurfs des Amtsmissbrauchs und der Vetternwirtschaft. Am 9. Juni muss Sánchez’ Ehefrau Begoña Gómez in Madrid vor Gericht erscheinen. Sie ist wegen Korruption, Unterschlagung, Veruntreuung und Einflussnahme angeklagt. Vor der Sommerpause wird zudem das Urteil gegen den früheren Verkehrsminister und einstigen Sánchez-Vertrauten José Luis Ábalos erwartet. Ihm wird vorgeworfen, sich während der Corona-Pandemie bei staatlichen Maskenkäufen bereichert zu haben.Mehr als 100 Schmuckstücke in einem SafeAm 17. Juni soll dann zum ersten Mal Zapatero vor Gericht aussagen. Auf seinen Privatkonten froren die Justizbehörden bereits rund eine halbe Million Euro ein. Dem Sozialisten, der von 2004 bis 2011 die spanische Regierung führte, wird vorgeworfen, im Mittelpunkt eines Netzwerkes von Firmen zu stehen, das bei der staatlichen Rettung der Fluggesellschaft Plus Ultra während der Pandemie auch Geld aus Venezuela gewaschen haben soll. Zapatero pflegt seit Jahren enge Beziehungen zum Regime in Caracas. Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, zusammen mit seinen Töchtern und weiteren Personen rund zwei Millionen Euro illegale Provisionen erhalten zu haben – es könnte aber auch mehr gewesen sein.In einem Safe in Zapateros Büro der Madrider PSOE-Zentrale fanden Ermittler in der vergangenen Woche mehr als 100 Schmuckstücke. Laut Zapatero, der alle Anschuldigungen bestreitet, gehören sie seiner Ehefrau. In der Wohnung eines Geschäftsfreundes, der mittlerweile festgenommen wurde, stießen die Beamten auf Bargeld mit einem Gesamtwert von mehr als 300.000 Euro. Der festgenommene Mann hatte 39 Firmen gegründet, die nach Einschätzung des Ermittlungsrichters vor allem dazu dienten, die Herkunft illegaler Gelder zu verschleiern.Die illegalen Gelder sollen unter anderem eine Provision in Höhe von einem Prozent des staatlichen Kredits von 53 Millionen Euro für die Rettung der Fluggesellschaft umfassen sowie Einnahmen aus dem Verkauf von Erdöl und Gold aus Venezuela. Laut dem Ermittlungsrichter seien von den 53 Millionen Euro außerdem sofort bis zu 16 Millionen auf Konten in der Schweiz, Montenegro, Gibraltar und Mauritius überwiesen worden.Hinweise auf Geldwäsche aus Frankreich und der SchweizDas Madrider Gericht erließ mittlerweile einen Haftbefehl gegen den flüchtigen venezolanischen Geschäftsmann Rodolfo Reyes, der früher Hauptaktionär von Plus Ultra war; der Präsident der Fluggesellschaft war bereits 2025 festgenommen worden. Französische Ermittler bringen Reyes mit einem Transport von bis zu acht Tonnen Gold von Caracas nach Dubai in Verbindung.Erste Hinweise auf Geldwäsche bei der Rettung der Fluggesellschaft und anderen Geschäften mit Venezuela waren von Behörden in Frankreich und der Schweiz gekommen. Bei den Ermittlungen sollen zudem belastende Telefongespräche eine Rolle gespielt haben, die das amerikanische Heimatschutzministerium abgehört und den spanischen Justizbehörden zur Verfügung gestellt hatte.In Rom versicherte Sánchez Zapatero seiner „vollen Unterstützung“ und betonte, dass für diesen die Unschuldsvermutung gelte. Neuwahlen schließt er weiterhin aus: Wegen der andauernden Kriege und Krisen brauche Spanien jetzt Stabilität. Der oppositionellen PP gelang es auch am Mittwoch nicht, Sánchez’ bisherige Unterstützer für ein Misstrauensvotum zu gewinnen.