Rente, Gesundheit und Pflege sind nicht nur Themen für alte Leute, im Gegenteil. Wenn Deutschland seine Sozialversicherungssysteme nicht umbaut, werden Kinder und Enkel die Zeche zahlen. Die Warnung des Sachverständigenrats könnte lauter nicht sein: Deutschland verfrühstückt seine Zukunft, falls es in den Reformen nicht Nägel mit Köpfen macht.Jetzt ruhen alle Hoffnungen auf der Rentenkommission, die ihre Vorschläge Ende Juni vorlegen will, sowie auf den Gesetzentwürfen von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) zur Stabilisierung der Kranken- und Pflegekassen. In diesen Versicherungszweigen ist die Lage besonders brenzlich. Bei allenfalls gleichbleibender Versorgung gehen die Beitragssätze durch die Decke. In der Pflege steigen zusätzlich noch die privat oder vom Sozialamt aufzubringenden Eigenanteile in den Heimen. Alt und gebrechlich zu werden, wird immer teurer und belastet nicht nur die Betroffenen, sondern auch die, die sie im Hier und Jetzt finanzieren, einschließlich der ohnehin gebeutelten Arbeitgeber.Union und SPD haben sich die Misere zum Teil selbst eingebrockt. Dass dem Bund das Geld für versicherungsfremde Leistungen fehlt, etwa für die Gesundheitskosten von Bürgergeldempfängern oder für die Rentenbeiträge von pflegenden Angehörigen, liegt an den verfehlten Prioritäten im Haushalt. Diese Fehler gehen nicht allein auf die Kappe der SPD: Die Vorsitzende des Sachverständigenrats, Monika Schnitzer, wies zu Recht auf die zweifelhaften CSU-Erfolge in der Ausweitung der Mütterrente hin. Mit den vom Bund für den letzten Schritt aufzubringenden fünf Milliarden Euro jährlich könnte man das Defizit in der Pflegeversicherung schon ein gutes Stück abfedern.Doch Löcherstopfen allein reicht nicht, die Systeme müssen neu gestaltet werden. Die Fachleute haben recht darin, kapitalgedeckte Elemente vorzuschlagen und überflüssige Leistungen zur Disposition zu stellen, darunter die stationären Leistungszuschläge und die ambulanten Entlastungsbeträge in der Pflege. Hoffentlich nimmt sich die Regierung die Ratschläge zu Herzen, bevor die Beitragszahler und die Jugend meutern – indem sie zum Beispiel radikale Parteien wählen.