Eskalierter Maturastreich: wie eine traditionelle Schulrivalität ausser Kontrolle gerietGewalt statt Schabernack: Eine eskalierte Fehde zwischen den Kantonsschulen Wettingen und Baden sorgt mit Hooligan-Szenen, einer verletzten Schülerin und verwüsteten Klosterdächern für nationale Empörung.27.05.2026, 16.22 Uhr3 LeseminutenUnbekannte suchten über das Pfingstwochenende die Mediothek der Kanti Wettingen heim und richteten ein Chaos an.PDEtwas Anarchie gehört zum Schulabschluss. Immer wieder haben in den vergangenen Jahren Maturastreiche für öffentliches Aufsehen gesorgt, weil die Schülerinnen und Schüler es etwas gar bunt getrieben haben. Doch was sich seit einigen Tagen an der Kantonsschule Wettingen abspielt, geht weit über den üblichen Schabernack hinaus. Inzwischen berichten sogar Medien aus dem Ausland über die Ausschreitungen, die momentan im Aargau das Gesprächsthema Nummer eins sind.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zum ersten Gewaltausbruch kam es vor zwei Wochen. Damals überfiel eine Gruppe von vierzig bis fünfzig teilweise vermummten, komplett schwarz gekleideten Jugendlichen die Abschiedsfeier der Wettinger Maturaklassen. Innert kurzer Zeit verwandelte sich die traditionelle «Uselütete» in ein Chaos.Verbindungen zur Fanszene des FC ZürichAuf dem Schulgelände der Kanti Wettingen, die sich in den Räumen des ehemaligen Klosters Maris Stella befindet, spielten sich wüste Szenen ab. Die Angreifer bewarfen die friedlich feiernden Schülerinnen und Schüler mit Mehl, Essig, Eiern und weiteren Gegenständen. Sie zündeten Feuerwerkskörper und Böller und beschädigten Einrichtungen.Es blieb nicht bei Sachschäden und Schmierereien. Ein Böller explodierte direkt neben dem Kopf einer Schülerin und fügte ihrem Gehör vorübergehenden Schaden zu. Auf Videoaufnahmen sei zudem zu hören gewesen, wie die Gruppe der Aggressoren «abschätzige, sehr vulgäre Parolen» gerufen habe, sagte Paul Zübli, der Rektor der Kantonsschule Wettingen, im «Badener Tagblatt».Bei den Unruhestiftern handelte es sich um Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Baden. Dies bestätigte Daniel Franz, der Rektor der Kanti Baden, kurz nach den Vorfällen. Die Szenen erinnerten ihn «an Hooligans oder den sogenannten schwarzen Block», sagte der fassungslose Schulleiter. Die Vermummung, das gezielte Vorgehen und eine gewisse Organisation innerhalb der Gruppe deuteten darauf hin, dass die Aktion nicht spontan erfolgt sei, erklärte der Rektor. Für Gesprächsstoff sorgte auch, dass gemäss Franz einzelne Randalierer zum harten Kern der Fanszene des FC Zürich, der Südkurve, gehören.Ganz aus dem Nichts kam der Gewaltausbruch nicht. Die Kantonsschulen von Wettingen und Baden pflegen seit Jahren eine Rivalität, die jedoch bisher nicht über gegenseitige Neckereien hinausging. So kam es in der Vergangenheit vereinzelt zu Aktionen zwischen den Schulen. Vor drei Jahren sollen Wettinger Schüler die Schulgebäude in Baden mit Eiern beworfen und besprayt haben.Wer gehofft hatte, es werde bei einer einmaligen Eskalation bleiben, sah sich getäuscht. Über das Pfingstwochenende kam es zu einem erneuten Angriff auf die Kanti Wettingen. Erst am Dienstag nach den Feiertagen entdeckte die Schulleitung massive Sachbeschädigungen. Über die ganze Mediothek lagen Bücher verteilt.«Kriminelle Energie», sagt die PolizeiWeitere Bücher wurden von den Eindringlingen auf dem Ziegeldach des denkmalgeschützten Kreuzgangs verstreut. Nach Angaben der Schule müssen die Ziegel voraussichtlich auf der gesamten Dachfläche entfernt und teilweise ersetzt werden. Inzwischen hat die Angelegenheit die nationale Politik erreicht. Der ehemalige Mitte-Präsident Gerhard Pfister schrieb auf X: «Barbaren. Nächstes Mal verbrennen sie die Bücher.»Die Eindringlinge verstreuten Bücher über das Dach der Kanti Wettingen, die sich in einem ehemaligen Kloster befindet.PDDie Kantonspolizei Aargau hat die Ermittlungen aufgenommen. Noch sei es jedoch zu früh, um Aussagen über mögliche Täter und die Hintergründe zu machen, sagt der Mediensprecher Bernhard Graser. Ursprünglich sei die Polizei davon ausgegangen, dass es sich um einen aus dem Ruder gelaufenen Streich handle. «Durch die Retourkutsche hat die Angelegenheit noch einmal eine ganz neue Kategorie erreicht. Hier war kriminelle Energie im Spiel, und es kam zu ernsthaften Straftaten», sagt Graser.Passend zum Artikel
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