Grafik der Woche

Was die hauchdünnen Sicherheitsmargen bei Unternehmensanleihen bedeuten Auch am Kreditmarkt werden die Risiken im Zusammenhang mit dem Irankrieg weitestgehend ausgeblendet, was zu rekordtiefen Renditeaufschlägen führt. Was sonst noch hinter den Mini-Spreads steckt. Die Lage im Nahen Osten bleibt verworren. Während angeblich Verhandlungen über ein Abkommen zwischen Iran und den USA laufen, wird der Waffenstillstand immer wieder gebrochen.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Börsen bejubeln jeden Tanker, der die Strasse von Hormuz passiert, auch wenn durch solche Einzelfahrten die globale Unterversorgung mit Öl und Gas nicht behoben ist.An den Bondmärkten hingegen blicken die Investoren besorgt auf die global steigenden Inflationsraten und mögliche Zinserhöhungen. Die Renditen langjähriger Staatsanleihen sind vielerorts auf Mehrjahreshöchst geklettert.Steigende Zinsen, Inflation, Engpässe bei der Energieversorgung – das sind wahrlich keine gute Aussichten. Umso erstaunlicher ist es, dass die Aufschläge für Anleihen mit Kreditrisiko historisch extrem niedrig sind.Für US-Unternehmensanleihen mit guter Bonität (Anlagequalität, Investment Grade oder kurz IG) beträgt der Renditeaufschlag gegenüber Staatsanleihen noch 0,73 Prozentpunkte. Das ist weniger als während der Kreditexzesse im Vorfeld der Finanzkrise 2008/09.Der Renditeaufschlag, auch Kredit-Spread genannt, ist ein Mass für die erwartete Ausfallwahrscheinlichkeit. Oder anders ausgedrückt: Der Spread stellt die Prämie dar, die den Investor für das Kreditrisiko entschädigt. Bei niedrigen Kreditrisikoprämien können sich Unternehmen relativ günstig am Markt refinanzieren. Für Anleger bedeuten rekordtiefe Spreads, dass die Papiere teuer sind im Vergleich zu Staatsanleihen.Ähnlich grosser Optimismus wie am AktienmarktIn oder vor einer Rezession steigen die Spreads, weil Unternehmen in Schwierigkeiten geraten und entweder ihr gutes Rating verlieren oder Pleite gehen. In Boomjahren schrumpfen die Aufschläge.Im Durchschnitt der vergangenen dreissig Jahre lag diese Risikoprämie in den USA bei 1,4 Prozentpunkten. Die Finanzkrise 2008/09 war ein Extremereignis für den Kreditmarkt, weil auch viele Banken in Not kamen, die bis kurz vor der Krise mit den besten Bonitäts-Ratings ausgestattet waren.Dass die Spreads heute niedriger sind als damals oder am Anfang der Corona-Pandemie, ist nachvollziehbar, schliesslich befinden wir uns nicht in einer akuten Krise oder einer globalen Rezession.Aber wie kommt es zu diesen historischen Tiefständen?Anscheinend teilen die Kreditmärkte die Meinung der Aktienanleger, wonach der Irankrieg bald vorbei und die Strasse von Hormuz wieder geöffnet sein wird.«Der Markt geht davon aus, dass die Störung der globalen Energieversorgung temporär ist», sagt Daniel Rempfler, Leiter Portfoliomanagement für Staats- und Schwellenländeranleihen bei Swiss Life Asset Management. Er macht kein irrationales Verhalten am Kreditmarkt aus, denn die Rezessionswahrscheinlichkeit sei weiterhin gering, und die Bilanzen der Unternehmen sähen gut aus.In der Tat sind US-Unternehmen sehr erfolgreich ins neue Jahr gestartet. Sie verzeichneten das stärkste Gewinnwachstum seit 2021.Damit die rekordniedrigen Spreads allerdings gerechtfertigt sind, müssten diese für Unternehmen lukrativen Zeiten noch eine Weile anhalten.Die beste aller Welten?Der Markt sei «priced for perfection», sagt Thomas Isler, Partner und Senior Credit Analyst bei der Kredit-Research-Firma I-CV. Man gehe von der bestmöglichen aller Welten aus.Vor dem Hintergrund der zahlreichen geopolitischen Risiken und der stagflationären Entwicklungen in der Weltwirtschaft scheint dies eine mutige Wette zu sein.So sieht es auch Isler: «Die Tragweite der Versorgungsengpässe im Energiesektor und der Störungen der globalen Logistik wird unterschätzt», warnt der Kredit-Experte. «Die Schäden werden sich auch in den Unternehmensergebnissen zeigen.»Auch die Inflation wird laut Isler Auswirkungen haben. «Die höheren Preise werden nicht allein von den Konsumenten geschultert werden, auch die Margen werden unter Druck kommen.»Er erwartet deshalb eine Ausweitung der Kredit-Spreads. Das könne auch sehr plötzlich geschehen. «Seit Kriegsbeginn gehe der Markt immer wieder von einer schnellen Lösung aus. Aber was, wenn keine Lösung gefunden wird? Oder der Krieg sogar neu eskaliert?»Technologiesektor gewinnt an BedeutungAuch das Thema künstliche Intelligenz (KI) und die Investitionen in die Datenzentren machen vor dem Anleihenmarkt nicht Halt. Sie sind womöglich sogar für die fallenden Spreads mitverantwortlich.Denn die grossen Anbieter von Cloud- und Dateninfrastruktur können ihre Investitionen nicht mehr allein mit dem erwirtschafteten Cash stemmen und nehmen im grossen Stil Anleihen auf. Alphabet und Amazon haben dazu auch den Frankenmarkt genutzt.UBS schätzt, dass US-Technologieunternehmen dieses Jahr Anleihen im Gesamtvolumen von 360 Mrd. $ begeben. Damit würde der Tech-Sektor ein Fünftel des billionenschweren US-Marktes für Unternehmen mit Anlagequalität ausmachen.Und da die Tech-Konzerne über überdurchschnittlich hohe Kredit-Ratings verfügen, nimmt die Schuldnerqualität im Index tendenziell zu, was dessen Spread nach unten drückt.Treasuries verlieren an VertrauenZu einem gewissen Grad hängen die niedrigen Kredit-Spreads auch mit dem Vergleichswert zusammen. Die Aufschläge werden gegenüber dem angeblich sichersten, risikolosen Wertpapier gemessen. Das sind seit Jahren US-Staatsanleihen, doch deren Lack blättert ab.Seit dem Verlust des AAA-Rating werden Treasuries nicht mehr als 100% sicher betrachtet. Immer wieder geraten sie in negative Schlagzeilen, sei es wegen der erratischen US-Politik oder weil ein Land sich von ihnen trennen will, wie jüngst die Türkei. Folglich sind die Renditen der US-Staatsanleihen leicht erhöht.Bei Johnson & Johnson, die neben Microsoft das einzige Unternehmen mit uneingeschränktem AAA-Rating ist, ist es sogar schon zu negativen Spreads gekommen.