PfadnavigationHomeWissenschaftGehirnscan„Akuter Stress beeinträchtigt einen zentralen Mechanismus des Gedächtnis“Stand: 12:21 UhrLesedauer: 3 MinutenDas Gehirn arbeitet unter Stress anders als gewohntQuelle: Getty Images/Science Photo Library RF/KATERYNA KON/SCIENCE PHOTO LIBRAUnter Druck können Menschen oft schlechter denken als gewohnt. Forscher haben nun untersucht, wie akuter Stress zentrale Prozesse im Gehirn verändert – und wann Eindrücke leichter im Gedächtnis bleiben.Stress vor einem Vorstellungsgespräch oder einer Prüfung macht nicht nur nervös. Offenbar erschwert er auch, dass das Gehirn neue Informationen mit alten Erinnerungen verbindet. Genau das brauchen Menschen aber, um Situationen richtig einzuordnen.Ein Forschungsteam der Universitäten Hamburg und der Universität Texas hat untersucht, wie akuter Stress das Denken verändert. Die Forscher wollten verstehen, warum Menschen unter Druck neue Informationen schlechter mit bereits Gelerntem verknüpfen. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal „Science Advances“. Für die Studie lernten 121 Teilnehmer zunächst verschiedene Bildpaare aus Tieren, Gesichtern und Landschaften. Am nächsten Tag musste etwa die Hälfte der Probanden ein simuliertes Vorstellungsgespräch führen. Dabei sollten sie sich selbst präsentieren und schwierige Kopfrechenaufgaben lösen. Die Kontrollgruppe hielt dagegen nur eine lockere Rede und rechnete einfache Aufgaben. Lesen Sie auchDirekt danach sahen alle Teilnehmer neue Bildpaare. Etwa eine Stunde später prüften die Forscher, ob die Teilnehmer die Informationen aus beiden Tagen miteinander verbinden konnten. Ein Beispiel: Wer sich zuerst ein Gesicht zusammen mit einer Katze gemerkt hatte und später dieselbe Katze mit einem blauen Würfel sah, konnte daraus ableiten, dass das Gesicht und der Würfel zusammengehören.Genau das fiel gestressten Teilnehmern schwerer. Allerdings nicht immer, sondern vor allem bei Bildern, die Teilnehmer subjektiv eher positiv bewerteten. Bei negativ bewerteten Bildern zeigte sich kein nennenswerter Unterschied. Die Forscher setzten funktionelle Magnetresonanztomographie ein, um den Hippocampus zu beobachten. Diese Hirnregion steuert, wie wir erinnern und lernen.Lesen Sie auchNormalerweise ruft der Hippocampus frühere Erfahrungen automatisch ab, sobald Menschen Neues lernen. Das Gehirn verknüpft dann alte und neue Inhalte miteinander. Unter Stress funktionierte dieser Prozess schlechter. Je weniger diese Reaktivierung stattfand, desto schwerer fiel den Teilnehmern später das Schlussfolgern. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass akuter Stress einen zentralen Mechanismus der Gedächtnisintegration beeinträchtigt“, schreiben die Autoren. Lesen Sie auchDie Forscher entdeckten noch einen weiteren Effekt: Das Gehirn speicherte verwandte Erinnerungen unter Stress stärker getrennt voneinander ab. Statt ein zusammenhängendes Netzwerk zu bilden, behandelte der Hippocampus die Informationen eher wie einzelne, unabhängige Ereignisse. Bemerkenswert ist dabei: Die Teilnehmer konnten sich die einzelnen Bilder trotz Stress weiterhin gut merken. Der Stress störte also nicht das Lernen selbst. Er erschwert vor allem, dass das Gehirn verschiedene Erinnerungen miteinander verbindet.Die Forscher vermuten, dass ihre Ergebnisse erklären könnten, warum Menschen unter Druck oft unflexibler denken oder Situationen schlechter einordnen. Das betrifft Prüfungssituationen, aber auch Verhöre oder psychische Erkrankungen. Denn auch Angststörungen und Psychosen gehen häufig damit einher, dass Betroffene Erfahrungen schlechter miteinander verknüpfen. Noch ist allerdings offen, wie stark sich die Ergebnisse auf den Alltag übertragen lassen. „Die Kombination aus Verhaltenstests und neuronaler Bildgebung, um tatsächlich zu sehen, was schief läuft, ist wirklich überzeugend“, wird Brice Kuhl zitiert, ein Neurowissenschaftler an der University of Oregon in Eugene, der nicht an der Studie beteiligt war.
Lernen: „Akuter Stress beeinträchtigt einen zentralen Mechanismus des Gedächtnis“ - WELT
Unter Druck können Menschen oft schlechter denken als gewohnt. Forscher haben nun untersucht, wie akuter Stress zentrale Prozesse im Gehirn verändert – und wann Eindrücke leichter im Gedächtnis bleiben.









