Berlin. Stress kann krank machen, etwa, wenn er chronisch wird. Dazu allerdings kommt es nicht so schnell, wie viele Menschen denken, sagt Hirnforscher Volker Busch. In den vergangenen Jahren seien „unheimlich viele falsche Geschichten“ über Stress erzählt worden – auch von Ärzten.Busch leitet seit 15 Jahren die Stressambulanz an der Universitätsklinik Regensburg. Wer lernen will, mit Belastungen in Zukunft besser klarzukommen, sollte ihm zufolge einen Fehler nicht machen: Stress kategorisch aus dem Weg gehen. Wie Sie Ihre psychische Widerstandskraft stattdessen stärken, erklärt er im Interview.Lesen Sie hier das gesamte Interview zu Stress mit Volker Busch:Herr Busch, kommen zu Ihnen in die Stressambulanz viele Führungskräfte?Ja, und es werden mehr.Warum?Weil die Belastungen gestiegen sind. Sie müssen mehr Arbeit in weniger Zeit schaffen, sich ständig an neue Anforderungen anpassen und Entscheidungen von hoher Tragweite unter immer unsichereren Bedingungen treffen. Damit können gerade viele junge Menschen nicht mehr gut umgehen.Jüngere Menschen sind weniger entscheidungsfreudig?Dafür gibt es aus der Wissenschaft zumindest Hinweise. Junge Erwachsene, die in den vergangenen 20 bis 30 Jahren groß geworden sind, kommen oft aus einem sehr behüteten Umfeld. Ihre Eltern haben ihnen viele Entscheidungen abgenommen. Sie haben deswegen im Vergleich mit früheren Generationen weniger Autonomie entwickelt. Als Führungskraft musst du aber eigenständig handeln, deine Entscheidungen vertreten und mit widersprüchlichen Anforderungen zurechtkommen. Diese Erkenntnis trifft viele junge Führungskräfte mit voller Wucht.Krisen-Managment Leadership-Professorin Bruch: „Mehr als drei Viertel der Unternehmen sind kollektiv überfordert“ Haben Sie ein Beispiel für einen solchen Fall?Ja, viele sogar. Ich hatte vor einiger Zeit einen jungen Mann in Behandlung, Mitte 30. Er wurde Mitgesellschafter in dem kleinen Unternehmen, in dem er arbeitete. Man bezog ihn in wichtige strategische Entscheidungen ein, er sollte eigenes Kapital einbringen. Für ihn war diese Verantwortung so überfordernd, dass er Schlafstörungen und Gedankenspiralen entwickelte und anfing, Alkohol zu trinken.Und dann?Dem Mann fehlte es an Resilienz und Selbstwirksamkeit, deswegen hat er sehr gelitten. Er hatte nicht das Gefühl, durch sein eigenes Handeln zum Erfolg der Firma beitragen zu können. Er fühlte sich machtlos und den äußeren Umständen ausgeliefert. Am Ende hat er sich dafür entschieden, seinen Job hinzuschmeißen. Heute ist er Finanzbeamter. Im Staatsdienst fühlt er sich sicherer.Ist das der Weg, den Sie Ihren gestressten Patientinnen und Patienten vorschlagen: einfach den Job wechseln?Da treffen Sie einen wunden Punkt. Dass der Patient in den öffentlichen Dienst gewechselt ist, hat natürlich zunächst mal dazu geführt, dass er kurzfristig entlastet war. Aber ist er auch mental stärker geworden? Vermutlich nicht. Deswegen plädiere ich insgesamt nicht für Vermeidung, sondern für etwas, das ich „Stressimpfung“ nenne.
Hirnforscher: Darum kann Stressvermeidung Sie langfristig schwächer machen
Volker Busch leitet eine Stressambulanz. Er sagt: Gerade Jüngere schaden sich oft selbst, indem sie Stress um jeden Preis vermeiden wollen.












