Freilassung des Buckelwals Timmy: Der Experte Jeffrey Foster spricht von «chaotischen» SzenenAnfang Mai wurde der Buckelwal, der zuvor mehrfach an der Ostseeküste gestrandet war, vor Dänemark freigelassen. Die Aktion lief offenbar anders als geplant, wie nun herauskam.26.05.2026, 18.26 Uhr3 LeseminutenDer tote Wal Timmy vor Anholt: Wegen der Fäulnisgase ist der Kadaver aufgebläht.Marcus Golewski / DPA / KeystoneVor der dänischen Insel Anholt soll ein neuer Versuch unternommen werden, den toten Buckelwal Timmy zu bergen. Am Dienstag werde über das weitere Vorgehen entschieden, sagte Morten Abildström von der dänischen Naturschutzbehörde Naturstyrelsen der «Bild»-Zeitung.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Buckelwal war im März mehrfach an der Ostseeküste gestrandet, zuletzt vor der Insel Poel. Später wurde das stark geschwächte Tier von einer privaten Initiative in einem Lastkahn in die Nordsee transportiert und dort am 2. Mai vor Skagen freigelassen. Zwölf Tage später wurde der Wal tot an der dänischen Insel Anholt angeschwemmt. Seitdem sind mehrere Versuche, das Tier zu bergen, gescheitert.Kadaver droht zu explodierenUrsprünglich hatten sich die dänischen Behörden gegen ein Eingreifen ausgesprochen. «Walstrandungen werden als ein natürlicher Teil des Gangs der Natur betrachtet, der nicht durch menschliche Eingriffe gestört werden sollte», teilte die Umweltbehörde mit.Inzwischen hat sich die Lage jedoch geändert, da das Tier an einem gut besuchten Strand liegt. Besucher wurden bereits aufgefordert, sich dem Wal nicht zu nähern, da Ansteckungsgefahr bestehen könne. Da der Wal verwest und Fäulnisgase entwickelt, ist sein Kadaver aufgebläht und droht zu explodieren. Deshalb soll der Wal nun doch entfernt und auch obduziert werden.Buckelwal war offenbar verletztUnterdessen erhob der Wal-Experte Jeffrey Foster, der die Rettungsaktion leitete, schwere Vorwürfe gegenüber der Crew. Foster war unter anderem an der Auswilderung des Orcas Keiko beteiligt, die in dem Film «Free Willy» thematisiert wurde. Nun hat er ein Protokoll der Freilassung von Timmy veröffentlicht, aus dem die «Bild»-Zeitung zitiert.Laut diesem Protokoll wies der Wal am 1. Mai deutliche Verletzungen auf. Ausserdem sei er wegen der zunehmend rauen See mehrmals gegen die Wände des Kahns gestossen, in dem er transportiert wurde.Ursprünglich war geplant gewesen, den Wal möglichst weit im offenen Meer auszusetzen, um zu verhindern, dass er erneut strandet. Da jedoch befürchtet worden sei, dass er eine weitere Nacht nicht überleben werde, hätten Foster und andere Wal-Experten seine sofortige Freilassung gefordert. Wegen des starken Verkehrs auf der Route sei das Vorhaben aber auf den kommenden Tag verschoben worden. Insgesamt sei die Situation «chaotisch» gewesen, zitiert die «Bild»-Zeitung aus dem Protokoll.Helfer zogen offenbar stärker am Wal als vereinbartAm 2. Mai sei dann eigentlich geplant gewesen, dass der Kahn langsam anfahren und der Wal manuell zum Heck bewegt werden solle. Hätte der Wal nicht selbst in die Freiheit schwimmen können, hätte er notfalls mit einem der beiden Schlepper herausgezogen werden sollen.Am Morgen des 2. Mai habe man sich aber umentschieden, schreibt Foster. Die Helfer der zwei Schlepper hätten offenbar stärker am Wal gezogen als vereinbart. Foster und sein Team seien zuvor auch nicht wie vereinbart auf den Kahn geholt worden. Stattdessen hätten sie die Aktion nur von einem der Schlepper aus verfolgen können. Laut den Daten des Senders, der zuvor am Tier angebracht worden war, schwamm der Wal nach der Freilassung mehrere Tage im offenen Meer.Seil an der Flosse angelegtInzwischen gibt es jedoch auch Vorbehalte gegenüber Fosters Verhalten während der Aktion. Laut einer Tierärztin, die den Wal betreut hatte, waren die Verletzungen nicht so schwer, dass sie eine frühe Freilassung gerechtfertigt hätten. Zudem ist offenbar unklar, wie sie entstanden sind.So war auf den Bildern des Senders News5, der die Aktion live übertrug, zu sehen, dass am Tag vor der Freilassung ein Seil an der Schwanzflosse des Wals befestigt worden war. Offenbar wollten die Helfer damit versuchen, den Wal zu drehen. Die «Bild»-Zeitung zitiert ein Crewmitglied mit den Worten, dass Foster und sein Team das Seil befestigt hätten.Später, nachdem der Wal tot vor Anholt aufgefunden worden sei, hätten Helfer Kerben an der Flosse entdeckt. Ob die Verletzungen tatsächlich durch das Seil verursacht wurden und ob dieses von Foster und seinem Team am Tier angebracht worden war, ist bis jetzt unklar.Damit geht auch nach Timmys Tod das Ringen um die Frage weiter, wer die Verantwortung für das Schicksal des Tiers trägt. Wer hat sich falsch verhalten? Die Crew, Jeffrey Foster, die Geldgeber der Aktion oder Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus, der die Aktion entgegen dem Ratschlag zahlreicher Wissenschafter genehmigte? Eine eindeutige Antwort wird es vermutlich nie geben.Passend zum Artikel