Ein Orban-Verbündeter wird Ministerpräsident in Slowenien: Wer ist Janez Jansa?Der 67-jährige Politikveteran ist eine umstrittene Figur. Seit seiner ersten Amtszeit wird ihm vorgeworfen, autokratisch zu handeln und die Pressefreiheit zu untergraben. Doch Jansa ist auch ein klarer Kritiker Russlands.27.05.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenEr ist zum vierten Mal Ministerpräsident Sloweniens: Janez Jansa.Igor Kupljenik / APJanez Jansa gilt als Sloweniens Mann mit Ausdauer. Drei Mal führte er das Land als Ministerpräsident, drei Mal wurde er abgewählt. Dazwischen sass er wegen einer Korruptionsaffäre mehrere Monate im Gefängnis, bevor das Urteil aufgehoben wurde. Und nun feiert er sein drittes Comeback: Am Freitag hat das Parlament in Ljubljana den rechtskonservativen Politikveteranen erneut zum Regierungschef gewählt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dabei erreichte Jansas Slowenische Demokratische Partei (SDS) bei den Parlamentswahlen im März bloss den zweiten Platz. Doch da der eigentliche Wahlsieger, Robert Golob von der linksliberalen Freiheitsbewegung, keine regierungsfähige Mehrheit schmieden konnte, kam Jansa zum Zug. Er sicherte sich die nötigen Stimmen für seine Minderheitsregierung.Wer ist der Hobbybergsteiger, der die slowenische Politik in den vergangenen Jahrzehnten so stark geprägt hat und derart polarisiert? Und was ist von ihm zu erwarten?Früherer KommunistJansa kam 1958 in Ljubljana zur Welt und wuchs in einer katholischen Arbeiterfamilie auf. Als Jugendlicher trat er dem Bund der Kommunisten Jugoslawiens bei, wurde jedoch bald zum Dissidenten. 1983 schloss ihn die Partei wegen seiner kritischen Töne aus. Später verurteilte man ihn zu 18 Monaten Haft, weil er geheime Militärdokumente veröffentlichen wollte. Seine Verhaftung löste 1988 Massenproteste aus. Sie gelten als Beginn der slowenischen Unabhängigkeitsbewegung. 1990 fanden in dem jungen Staat die ersten freien Wahlen statt, und Jansa wurde dessen erster Verteidigungsminister.Der ehemalige Kommunist wandte sich in den Folgejahren dem rechten Spektrum zu. Seit 1993 steht er an der Spitze der SDS, die er von einer sozialdemokratischen in eine rechtskonservative Bewegung umformte. 2004 übernahm er erstmals die Regierungsgeschäfte.Seither inszeniert er sich als Kämpfer gegen das System. Unermüdlich behauptet er, die alte kommunistische Elite ziehe im Hintergrund weiterhin die Fäden. Die Justiz und die Medien sind seiner Meinung nach deren wichtigste Helfer. Diese griff er persönlich und ungefiltert über die sozialen Netzwerke an – ganz im Stil von Donald Trump, den er bewundert.Seit seiner ersten Amtszeit wird Jansa vorgeworfen, autokratisch zu handeln, die Gewaltenteilung und die Pressefreiheit zu untergraben. Er bekämpfte kritische Medien aktiv und baute mit finanzieller Hilfe aus dem Umfeld des abgewählten ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban ein eigenes Medienimperium auf. Jansa gilt als enger Verbündeter Orbans. In der Migrationspolitik vertritt er dieselbe harte Linie und befürwortet die Abriegelung der EU-Aussengrenze.Klarer Unterstützer der UkraineZwar schlägt Jansa auch europakritische Töne an. Bei seiner Vorstellung im Parlament am Freitag erklärte er, Slowenien habe sich nicht der EU angeschlossen, um seine erlangte Unabhängigkeit wieder zu verlieren, und erklärte, gegen Vorgaben aus Brüssel kämpfen zu wollen. Zugleich bekannte er sich aber zur Mitgliedschaft Sloweniens in der EU und der Nato.Es ist darum nicht zu erwarten, dass Jansa in Brüssel als neuer Störenfried auftreten wird. Als pragmatischer Nationalist steht er hinter der europäischen Sicherheitsarchitektur und unterstützt die Ukraine im russischen Angriffskrieg. Er befürwortet die EU-Sanktionen gegen Moskau und fordert Militärhilfe für Kiew.Ein Kurswechsel zeichnet sich jedoch in der Israel-Politik ab. Der 67-jährige Jansa gilt als überzeugter Unterstützer Israels. Und so gehen Beobachter davon aus, dass er die Anerkennung Palästinas, die die Vorgängerregierung beschlossen hatte, zurücknehmen wird. Er kritisierte den Schritt damals harsch.Spionageaffäre sorgte für AufregungJansas Verbindungen zu Israel wurden kurz vor den Parlamentswahlen im März zum Thema. Der damalige Ministerpräsident Robert Golob beschuldigte ihn, die private israelische Spionagefirma Black Cube angeheuert zu haben, um die Wahlen zu manipulieren. Laut dem Vorwurf lockten israelische Agenten unter dem Deckmantel einer Scheinfirma Politiker aus Golobs Lager in Gespräche, filmten sie heimlich und stellten manipulierte Videos ins Netz. Damit sollte die amtierende Regierung kurz vor der Wahl fälschlicherweise der Korruption bezichtigt werden. Nur wenige Tage nach den Enthüllungen von Investigativjournalisten und einer NGO bestätigte der slowenische Inlandgeheimdienst deren Bericht und die Präsenz von Black-Cube-Vertretern in der Zentrale der SDS offiziell.Jansa räumte daraufhin ein, sich mit Vertretern der israelischen Firma aus privaten Gründen getroffen zu haben. Er stritt jedoch ab, mit der Kampagne irgendetwas zu tun zu haben. Obwohl der Skandal seinen Wahlkampf belastete, hatte er letztlich keine negativen politischen Folgen für ihn.Passend zum Artikel