PfadnavigationHomePolitikAuslandKein Treffen mit Hegseth„Politischer Kanal vorerst blockiert“ – Pistorius sagt Außenminister-Besuch in den USA abVon Stefanie Bolzen, Chris Lunday, Paul McLearyStand: 20:28 UhrLesedauer: 2 MinutenBundesverteidigungsminister Boris PistoriusQuelle: Kay Nietfeld/dpaNach dem Zerwürfnis zwischen Donald Trump und Friedrich Merz reist der deutsche Verteidigungsminister nach Nordamerika. Ursprünglich wollte Boris Pistorius auch die USA besuchen. Themen zwischen Berlin und Washington gibt er derzeit genug. Doch der US-Kriegsminister hat nun einen anderen Termin.Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat eine geplante Reise in die Vereinigten Staaten in dieser Woche abgesagt, nachdem ein erhofftes Treffen mit US-Verteidigungsminister Pete Hegseth nicht zustande gekommen war. Das bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Dienstag auf „Politico“-Anfrage.Der USA-Besuch war ursprünglich Bestandteil von Pistorius’ Nordamerikareise, die am Mittwoch beginnen sollte und sich nun ausschließlich auf Kanada konzentriert. Der Minister hatte geplant, deutsche Soldaten im US-Bundesstaat Virginia in Norfolk zu besuchen.Als Grund für die Absage verwies der Sprecher auf Hegseths Teilnahme am Shangri-La-Dialog, einer Sicherheitskonferenz in Singapur. Das US-Verteidigungsministerium reagierte zunächst nicht auf eine WELT-Anfrage um Stellungnahme.Öffentliches Zerwürfnis zwischen Trump und Merz Pistorius hatte bereits vergangene Woche angedeutet, dass der Zwischenstopp in Washington unsicher sei. Reportern sagte der SPD-Politiker, Kanada habe immer im Mittelpunkt der Reise gestanden. ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) konkurriert mit dem südkoreanischen Unternehmen Hanwha Ocean um einen Großauftrag zum Verkauf von bis zu zwölf neuen U-Booten an Kanada — ein Geschäft im Wert von umgerechnet rund 17 Milliarden Euro.„Von Anfang an war der Hauptplan eine Reise nach Kanada — nach Montreal und Ottawa — um Gespräche und Verhandlungen mit unseren kanadischen Partnern fortzusetzen“, hatte Pistorius vergangene Woche erklärt. Der USA-Teil mache „nur Sinn, wenn ich die relevanten Gesprächspartner in Washington treffen kann“.Die Absage von Pistorius’ Besuch erfolgt nach einem öffentlichen Zerwürfnis zwischen US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz wegen des Kriegs im Iran. Trump reagierte darauf mit der Ankündigung, 5.000 amerikanische Soldaten aus Deutschland abzuziehen und die geplante Stationierung einer Einheit mit weitreichenden Waffensystemen und Tomahawk-Marschflugkörpern auszusetzen.Lesen Sie auch„Es scheint, dass nach den Entwicklungen der vergangenen Wochen der politische Kanal vorerst blockiert ist“, sagte eine mit dem Austausch zwischen Berlin und Washington vertraute Person, die wegen der Sensibilität des Themas anonym bleiben wollte. Die zunehmend belasteten Beziehungen zwischen den USA und ihren Verbündeten dürften Pistorius’ Nordamerikareise überschatten.Elbridge Colby, Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium, hatte Kanada vergangene Woche scharf wegen seiner Verteidigungsausgaben und aus Sicht Washingtons unzureichender militärischer Beiträge innerhalb der NATO kritisiert. Colby setzte daraufhin die Arbeit des ständigen gemeinsamen Verteidigungsausschusses zwischen den USA und Kanada aus, eines beratenden Gremiums auf politischer Ebene.Es gibt in den kommenden Wochen mehrere Gelegenheiten, bei denen der Bundesverteidigungsminister seinen US-Amtskollegen treffen könnte. Hegseth wird möglicherweise an den D-Day-Gedenkfeiern in Frankreich teilnehmen. Mitte Juni findet ein Nato-Verteidigungsministertreffen in Brüssel statt. Allerdings hatte zuletzt Staatssekretär Colby diese Treffen wahrgenommen. Anfang Juli schließlich findet der Nato-Gipfel in Ankara statt.