Wenige Wochen vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft herrscht im politischen Berlin Zurückhaltung. Friedrich Merz kündigte in der ARD lediglich an, er werde bei einer deutschen Beteiligung zum Finale nach New York reisen – was freilich nicht in seiner Hand liegt. Der Besuch eines Gruppenspiels ist laut aktueller Planung nicht vorgesehen.Dabei hatten sich viele nach den diplomatischen Minenfeldern Russland 2018 und Katar 2022 auf die WM in den USA, Kanada und Mexiko gefreut; wohl auch Merz, der sich als BVB-Fan in der Vergangenheit gern volksnah im Stadion präsentierte. Doch seit der Wiederwahl von Donald Trump, militärischen Angriffen auf Iran und Venezuela, Annexionsfantasien bezüglich Grönland und dem brutalen Vorgehen der Einwanderungspolizei ICE hat sich der Blick auf das Turnier verändert.Wie aus einer Frage des Grünen-Außenpolitikers Boris Mijatović hervorgeht, plant die Regierung aktuell nur einen Besuch der für Sport zuständigen Staatsministerin im Kanzleramt, Christiane Schenderlein (CDU) – und damit eines Regierungsmitglieds aus der dritten Reihe.Anders als bei vergangenen Turnieren fährt sie pikanterweise auch nicht zum Auftaktspiel der deutschen Elf gegen Curaçao, sondern zur zweiten Partie gegen die Elfenbeinküste. Diese findet, anders als die beiden übrigen Gruppenspiele, nicht auf US-Gebiet, sondern im kanadischen Toronto statt. Fährt als bisher einziges Regierungsmitglied zur WM: Christiane Schenderlein (CDU), Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur/IMAGO/dts Nachrichtenagentur Schenderlein geht damit der Frage nach der politischen Symbolwirkung ihres Besuchs geschickt aus dem Weg. Fragesteller Mijatović hatte im Gespräch mit ntv betont, Besuche von Regierungsvertretern seien „auch eine Legitimierung und Bestätigung für die US-Administration“. Sollte es während der WM zu unverhältnismäßigen ICE-Einsätzen kommen, müsse die Regierung einen diplomatischen Boykott diskutieren. Auch der Sportausschuss des Bundestags plant keine Reise Nicht nur in der Regierung, auch im Bundestag ist die Zurückhaltung groß. Der Sportausschuss plant keine Delegationsreise zur Weltmeisterschaft. Im Gegensatz zu Olympischen Spielen sei dies grundsätzlich nicht üblich, da der DFB, anders als viele Verbände anderer Sportarten, keine staatlichen Fördermittel zur Unterstützung des Spitzensports erhalte, heißt es zur Begründung. Auch die Ausschussvorsitzende Aydan Özoğuz (SPD) wird nicht zur WM fahren. „Wie die breite Mehrheit in diesem Land“ ziehe sie es vor, die Spiele mit Freunden und Kollegen von hier aus zu verfolgen, „auch wenn die Spielzeiten es ja leider nicht ganz leicht machen“, sagte sie dem Tagesspiegel. Mit Donald Trump begründet sie ihr Fernbleiben allerdings nicht, sondern mit „großen Verwerfungen bezüglich der Tickets“. Bereits im April hatte Özoğuz deren hohe Preise als „absurd“ kritisiert.Lediglich über Ausschussmitglied Stephan Mayer (CSU), den Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Sport der Unionsfraktion, war in den vergangenen Tagen berichtet worden, er plane, ein Deutschlandspiel in den USA zu besuchen. Dem Tagesspiegel sagte er jedoch, derzeit habe er noch keine konkreten Pläne. Abhängig vom Weiterkommen der deutschen Elf werde er gegebenenfalls ein Spiel in der K.o.-Phase besuchen.Die Menschenrechtslage sei für ihn jedenfalls kein Grund, nicht zur Fußball-Weltmeisterschaft zu reisen – im Gegenteil. Gerade in einer Zeit schwieriger bilateraler politischer Beziehungen zwischen Deutschland und den USA sei es umso wichtiger, „deutlich zu machen, dass uns in kultureller, wirtschaftlicher und zivilgesellschaftlicher Hinsicht deutlich mehr verbindet als uns trennt“.
Trumps Festspiele: Die Scheu deutscher Politiker vor der Fußball-WM
Angesichts von Iran-Krieg, ICE und Grönland hält sich bei vielen die Lust auf einen USA-Besuch in Grenzen. Bundeskanzler Merz hat sich vorerst nicht angekündigt, seine Vertreterin nutzt ein Schlupfloch.






