Amrum statt Antalya, Heringsdorf auf Usedom statt Hurghada am Roten Meer – Krisenzeiten können dem Tourismus im Inland Auftrieb geben. Davon ist der Tourismus-Koordinator der Bundesregierung, der CDU-Abgeordnete Christoph Ploß, überzeugt. „So schlimm die Auswirkungen der Krise im Nahen Osten für viele Branchen sind, so sehr bieten sich dadurch Chancen für den Deutschlandtourismus“, sagte Ploß den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Insbesondere an Nord- und Ostsee rechne er mit „einer noch stärkeren Nachfrage als in den Vorjahren“.Auch der Ferienwohnungsvermittler Holidu erwartet ein „starkes Reisejahr“ an den Küsten. 91 Prozent der dortigen Unterkunftsanbieter rechneten für 2026 „mit einer stabilen oder steigenden Belegung“. „Ostsee“, „Nordsee“, aber auch „Bodensee“ zählten auf der Plattform zu den am häufigsten eingegebenen Suchbegriffen. Und während Flugtickets wegen des durch den Irankrieg gestiegenen Kerosinpreises mehr kosten, wollen laut Holidu 63 Prozent der Ferienhausvermieter Preise konstant halten.Mit dem Inlandstourismus hofft eine Branche, zum Profiteur internationaler Unsicherheiten zu werden. Einen Trend, dass Bundesbürger ihren Urlaub mehr in der Bundesrepublik verbringen, hatte es zuletzt nicht gegeben. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden 2025 zwar mit rund 497 Millionen Übernachtungen von 192 Millionen Gästen Werte aus der Vor-Corona-Zeit übertroffen. Allerdings sind neben klassischen Urlauben auch Geschäftsreisen sowie Buchungen von Gästen aus dem Ausland enthalten.Anteil der Inlandsurlauber gesunkenDie Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR), die mehr als 12.000 Menschen aus Deutschland nach ihren Ferien befragte, ermittelte hingegen, dass der Anteil der im Inland verbrachten Haupturlaube mit fünf oder mehr Übernachtungen 2025 auf ein Tief von 22 Prozent gefallen war. In absoluten Zahlen entsprach das rund 15 Millionen Haupturlauben. 2021, als zahlreiche Bürger wegen Corona-Sorgen das Ausland mieden, waren es mehr als 20 Millionen, im Vor-Pandemie-Jahr 2019 waren es 18,7 Millionen.Zuletzt hatten die großen Urlaube, zu denen 2025 fast 53 Millionen Urlauber aufbrachen, vor allem mit dem Mittelmeer zu tun. Das beliebteste Auslandsziel ist Spanien, mit einem Anteil von 15 Prozent. Auf den gesamten Mittelmeerraum, der für die Statistik von Portugal über Italien und Tunesien bis zur Türkei und nach Ägypten reicht, entfielen gar 44 Prozent aller Haupturlaube.Strandbesucher genießen das sonnige Wetter an der Ostsee in Kühlungsborn.dpaEine Abneigung gegen Ferien im Inland lässt sich aus den FUR-Daten aber auch nicht herauslesen. Die Zahl der Kurzurlaube bis vier Übernachtungen, oft als Zweiturlaub gebucht, lag zuletzt mit 91,2 Millionen Reisen über Vor-Pandemie-Werten – und Deutschland spielt eine große Rolle. Für Bayern ergab die Auswertung gar 11,3 Millionen Kurzreisen – mehr als das Vierfache der dort verbrachten Haupturlaube. Auch in Küstenländern wie Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern erreichte die Zahl der Kurzgäste in etwa den doppelten Wert der Gäste im Haupturlaub. Nur in Schleswig-Holstein, mit 2,9 Millionen Haupturlauben Spitzenreiter im Inland, sind die Zahlen für die kürzer und die länger bleibenden Gäste in etwa gleich.2026 hoffen Gastgeber im Inland auf Auftrieb – vor allem bei Kurzentschlossenen, die mit Buchungen zögern. Nach den jüngsten Daten des Reisemarktforschers TDA erreichten zu Ostern die bei Reiseveranstaltern gebuchten Sommerurlaube – meist Auslandsziele, vornehmlich im Mittelmeerraum – erst 59 Prozent des gesamten Volumens aus dem Vorjahressommer. Vereinfacht gesagt: Vier von zehn möglichen Urlaubern hatten zu Ostern noch nicht gebucht. Einige davon könnten sich noch gegen Mallorca oder Kreta und für Borkum oder Sylt entscheiden.Verunsichert haben Diskussionen über knapper werdendes Kerosin. Den Ausfall ihres Urlaubsflugs wegen leerer Tanks wollen Reisende nicht erleben – erst recht nicht, wenn es um den Rückflug geht. Reiseanbieter beteuern, dass Mittelmeerurlauber nicht stranden. Zwar sei der Kerosinnachschub geringer, aber 80 bis 85 Prozent der üblichen Versorgungskapazitäten seien vorhanden. Es bestehe zudem „ein starkes Eigeninteresse der Airlines, Ferienflüge mit einer hohen Auslastung durchzuführen“, erklärte schon der Reiseanbieter Dertour.Soll heißen: Wenn in Flugplänen gestrichen werde, dann an anderer Stelle. Auch TUI verwies darauf, Anpassungen einiger Airlines erfolgten wegen höherer Kosten „aus wirtschaftlichen Gründen – nicht wegen fehlenden Kerosins“. Lufthansa hatte für das Sommerhalbjahr konzernweit 20.000 Flüge gestrichen – vornehmlich Städtestrecken, die weniger von Urlaubern genutzt werden.