Die Briten, ähnlich versierte Weltreisende wie wir Deutschen, haben ein schönes Sprichwort: When the going gets tough, the tough get going. Auf Deutsch würde man wohl sagen: Nur die Harten kommen in den Garten, was aber viel weniger elegant ist. In Bezug auf den anstehenden Reisesommer heißt das: Der akut Erholungssuchende wird mal wieder hart auf die Probe gestellt.Nicht genug, dass dieser unsägliche Krieg der US-Regierung gegen Iran die Flugpreise in sauerstoffarme Höhen treibt und gleichzeitig die beliebten Drehkreuze in den Emiraten zum Stillstand bringt.Es ereilen uns jeden Tag in diesem bisher viel zu kühlen Frühling Nachrichten, die einem das Urlauben, sofern man noch nicht davon Abstand genommen hat, gründlich vermiesen können. So lesen wir in der deutschen Ausgabe der türkischen Tageszeitung Hürriyet, dass der bekannte Strand von Evrenseki in der Provinz Antalya von „braunem Meer und üblem Geruch“ heimgesucht wurde. Die Vermutung: Ein Bach soll illegal eingeleitete Exkremente aus Tierfarmen ins sonst so blaue Meer transportiert haben. Na, Mahlzeit! Aus Side wurde übrigens Ähnliches berichtet.1000 Euro, weil er keine Liege am Pool fand. Wie viel gibt es dann, wenn der Urlaub gar nicht stattfindet?Aber das wird eher nicht der Grund sein, dass die Buchungen für das östliche Mittelmeer insgesamt schlecht laufen, während Spanien, Portugal und Frankreich überrannt werden. Der Grund ist die Nähe zu den Kriegsgebieten, die von vielen als bedrohlich wahrgenommen wird. Mallorca und die Côte d’Azur also noch voller als ohnehin schon. Das wird ein Spaß.Nach Asien kann man auch nicht ausweichen, weil die Flüge dorthin unerschwinglich wurden (Stichwort: Drehkreuze). Und dann die USA, früher einmal das beliebteste Sommer-Fernreiseziel der Deutschen. Doch seit der erratische Donald und seine Getreuen immer neue Bosheiten in Richtung Deutschland und Europa abfeuern, ist vielen die Lust vergangen, dieses schöne Land zu besuchen. Noch mehr, seit durchgedrungen ist, dass die Ticket- und Verkehrsmittelpreise während der Fußball-WM der reine Wucher sind.Ja, wo soll, wo kann man denn überhaupt noch hin? Ein Luxusproblem? Mag sein. Aber für die Deutschen ist die Urlaubsreise doch ein Menschenrecht! Und deshalb werden sie sich auch im kommenden Sommer ihre wohlverdienten Wochen am Strand nicht nehmen lassen. Und falls doch, gibt es sicherlich ein Gericht, das uns für den entgangenen Urlaub eine Entschädigung zuspricht.So wie das Landesgericht Hannover, das vor Kurzem einem Urlauber recht gab, weil am Pool in Griechenland alle Liegen schon mit Handtüchern reserviert waren, und die Gegenseite zur Zahlung von 1000 Euro verurteilte. Und der Mann war ja immerhin dort, in Griechenland. Man stelle sich vor, was da an Entschädigung drin wäre, wenn man erst gar nicht ans Reiseziel kommt! Mit dem Geld könnte man dann doch glatt einen noch besseren Urlaub machen, irgendwann. Das wäre ja gelacht.Hans Gasser fährt fährt meist schon zu Pfingsten in den Süden. Wasser kalt, Strände leer. Bernd Schifferdecker (Illustration)
Sommerurlaub: Warum sich die Deutschen die Ferien nicht vermiesen lassen
Der Sommerurlaub 2024 wird von steigenden Flugpreisen, Umweltproblemen an Stränden und geopolitischen Spannungen geprägt. Beliebte Ziele wie Spanien und Frankreich sind voll, während das östliche Mittelmeer weniger gebucht wird.








