Die Mitte-rechts-Koalition unter Führung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat bei den Kommunalwahlen in Italien vom vergangenen Sonntag und Montag wichtige Erfolge erzielt. Nach der Niederlage beim Referendum zur Justizreform Ende März und zuletzt schlechteren nationalen Umfragewerten für die drei Parteien der Koalition kam der Sieg bei der Bürgermeisterwahl in Venedig im ersten Wahlgang überraschend.In der Hauptstadt der Region Venetien erhielt der 38 Jahre alte Mitte-rechts-Kandidat Simone Venturini mit 52,4 Prozent der Stimmen die zum Wahlsieg bereits im ersten Durchgang erforderliche absolute Mehrheit. In den vergangenen elf Jahren war er als Stadtrat für Arbeit, Soziales und Wirtschaft unter Bürgermeister Luigi Brugnaro tätig. Der wirtschaftsliberale Unternehmer Brugnaro durfte nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten.Sein gewählter Nachfolger dürfte von der Popularität des scheidenden Amtsinhabers profitiert haben. Venturinis linker Herausforderer Andrea Martella, der sich nach Umfragen zumindest Chancen auf den Einzug in die Stichwahl ausgerechnet hatte, kam auf 38,1 Prozent der Stimmen. Für das üblicherweise zerstrittene linke Oppositionslager, das bei den Kommunalwahlen in fast allen größeren Städten gemeinsam angetreten war, wäre ein Sieg in Venedig von großer Bedeutung mit Blick auf die Parlamentswahlen im kommenden Jahr gewesen.Meloni hatte sich nicht an der Wahlkampagne beteiligtIn zahlreichen Städten kommt es am 7. und 8. Juni zur Stichwahl, weil dort keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreicht hatte. Insgesamt waren gut sechs Millionen Wähler in 748 Städten und Gemeinden zur Wahl des Bürgermeisters sowie der Kommunalparlamente aufgerufen. Die Wahlbeteiligung sank um fünf Punkte gegenüber den letzten Kommunalwahlen auf gut 60 Prozent.Ministerpräsidentin Meloni, die sich – anders als die führenden Politiker des Mitte-links-Lagers – nicht an der Wahlkampagne beteiligt hatte, schrieb nach dem guten Abschneiden mehrerer Mitte-rechts-Kandidaten auf der Plattform X: „Auch heute wieder verschieben wir den weithin angekündigten Zusammenbruch des Mitte-rechts-Lagers auf morgen.“ In Reggio Calabria an der Spitze des italienischen Stiefels zieht nach zwölf Jahren Herrschaft des Mitte-links-Lagers wieder ein rechter Bürgermeister ins Rathaus ein. Der Herausforderer Francesco Cannizzaro von der christdemokratischen Koalitionspartei Forza Italia überflügelte den Kandidaten der Linken mit 67,8 Prozent zu 25,5 Prozent.Insgesamt war im ersten Durchgang der Kommunalwahlen keine nennenswerte politische Kräfteverschiebung auf nationaler Ebene zu erkennen. Auch bei den Stichwahlen in zwei Wochen dürften beide politischen Lager jeweils Erfolge für sich verbuchen können. Den Erstrundensiegen des Mitte-rechts-Lagers in Metropolen wie Venedig und Reggio Calabria stehen Erfolge der Mitte-links-Parteien in Städten in deren regionalen Hochburgen Toskana und Emilia-Romagna entgegen.Oppositionsführerin Elly Schlein von den Sozialdemokraten sagte, ungeachtet lokaler Besonderheiten hätten die Kommunalwahlen bestätigt, „dass wir als geeintes progressives Lager konkurrenzfähig sind und dies auch bei der Parlamentswahl sein werden“. Die Wahlen, bei denen sich Ministerpräsidentin Meloni um eine zweite Amtszeit von fünf Jahren bewerben will, finden turnusgemäß im Herbst 2027 statt.