Mehrere kurze Trainings statt ein langes? Wieso Snack-Einheiten sinnvoll sindKurze Workouts passen oft besser in den Alltag als lange. Und sie bringen gerade für Einsteiger noch weitere Vorteile.Manuela Donati24.05.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenIllustration Jasmin Hegetschweiler / NZZViele Freizeitsportlerinnen und Breitensportler fragen sich mit Blick auf die volle Agenda, ob nicht drei kurze Trainings über die Woche verteilt gleich gut oder vielleicht sogar besser sind als nur ein Training in der klassischen Länge von 60 bis 90 Minuten. Michalis Giannakopoulos beobachtet seit rund fünfzehn Jahren ein steigendes Interesse an Kurz-Workouts. Er ist Fachbereichsleiter Fitness, Gesundheit und Athletik der Update-Akademie, die Ausbildungen im Fitnessbereich anbietet, und erhält entsprechende Rückmeldungen sowohl in der Akademie wie auch in Personal Trainings und Coachings.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Interesse an Kurztrainings komme einerseits von Freizeitsportlern mit wenig Zeit, anderseits von Menschen, die durch den Longevity-Boom der letzten Jahre mit Training angefangen hätten. Giannakopoulos plädiert in den meisten Fällen für das Modell mit kurzen Einheiten, und das aus einem pragmatischen Grund: «Kurze Trainings sind besser als gar kein Training.» Trainings im Snack-Format passen nicht nur in volle Tage, sondern sind auch zugänglicher für Menschen, denen es schwerfällt, sich zum Sport aufzuraffen.Viele positive AspekteAuch für Einsteiger bieten diese Workouts klare Vorteile: Sportneulinge können häufig nicht über die gesamte Dauer des Trainings die gleiche Leistung erbringen und halten in unterteilten Trainings die Leistung eher. Kürzere, dafür regelmässigere Trainings sorgen zudem für weniger Erschöpfung und weniger Muskelkater und somit für kürzere Regenerationsphasen.Im Sinne der Trainingsplanung haben Kurz-Workouts einen weiteren positiven Aspekt: «Wenn das Training insgesamt gleich viel Umfang und Intensität hat, ist es besser, es auf mehrere kürzere Einheiten in der Woche zu verteilen, weil der Trainingsreiz öfter gesetzt wird», sagt Giannakopoulos. Kürzere Einheiten ermöglichen ein Training in erholterem Zustand – die Bewegungsqualität ist besser, weil Konzentration und Technik bei Erschöpfung nachlassen. Das gilt für Ausdauer- wie für Krafttraining. Der Sportwissenschafter betont: «Je nach Ziel und Trainingsinhalt kann das für jedes Leistungsniveau ein sinnvoller Ansatz sein.» So sieht er kurze Trainings auch als Ergänzung zu längeren Einheiten.Christian Szepessy Steinmann verfolgt als Sportwissenschafter und Leiter Weiterbildung Sport und Gesundheit der Fachhochschule Supsi den Ansatz, Menschen mit seinen Trainings in ihrer Robustheit zu stärken, also den Körper vielseitig zu fordern und auf die unterschiedlichsten Belastungen vorzubereiten. Dazu schaut er sich jeweils den «Bewegungsrucksack» an Erfahrungen und Verletzungen an, den jemand mitbringt.Bei Kurz-Workouts stellt er fest, dass sie oft funktionale Trainings umfassen. «Bei kurzen Trainings wird oft nicht genug belastet», sagt Szepessy Steinmann, denn dieses «genug» sei eben individuell. Heisst: Eine sehr sportliche Person bringt andere Voraussetzungen mit als ein Anfänger und braucht bei einem kurzen Training zum Beispiel zusätzliche Gewichte, damit es zu Veränderungen kommt. Für einen Einsteiger ist hingegen schon die pure Belastung des Muskels genug Reiz.Zur Prävention hingegen nutzt Christian Szepessy Steinmann kurze Workouts regelmässig, denn hier zählt vor allem die Kontinuität. Schon fünf Minuten täglich reichten aus, sagt er und nennt als Beispiel Übungen für die Achillessehne, mit denen diese robuster wird. «Die Achillessehne als stärkste Sehne im Körper ist bei vielen Bewegungen involviert. Es ist wichtig, dass sie gesund und belastbar ist, damit wir unser Alter aktiv bewältigen können.»Die Intensität macht den UnterschiedWas sagt die Wissenschaft zu dem Thema? Die Studienlage bestätigt, dass kurze Trainings ähnlich effektive Ergebnisse in Bezug auf Fitness liefern können wie längere Trainingseinheiten. Hier gilt es aber unbedingt den Faktor Trainingsintensität mit einzubeziehen, denn ohne hohe Intensität wachsen Muskeln nicht.Dabei bedeutet höhere Intensität nicht zwingend mehr Gewicht: Im Krafttraining lässt sie sich zum Beispiel auch über langsamere Bewegungsgeschwindigkeit oder längere Spannungsdauer steuern. «Eine einfache Methode, um die Trainingszeit zu verkürzen: kürzere oder keine Pausen», sagt Giannakopoulos. «Statt zu rasten, trainiert man in dieser Zeit eine andere Muskelgruppe. So erholt sich der Muskel trotzdem, aber das Herz-Kreislauf-System wird gefordert.»Ob kürzere Einheiten auch bei klassischen Teamsportarten effektiv sind, entscheidet sich durch die Zielsetzung. Will das Fussballteam regelmässiger gemeinsam auf dem Platz stehen, können 30 Minuten durchaus sinnvoll sein. Soll es einen Trainingseffekt geben, braucht es die höhere Belastung. Bei Trainings mit Fokus auf Achtsamkeit und mentale Stärke, etwa Yoga, Meditation oder Atemübungen, zeigen Studien, dass regelmässige Praxis das Nervensystem nachweislich beruhigen kann.Inspiration für kurze TrainingsSeven: Als eine der bekanntesten Apps für kurze Workouts bietet Seven unter dem Motto «7 Minuten am Tag reichen» intensive Trainingseinheiten, die vor allem mit Eigengewicht und überall durchführbar sind. Die Methode wurde von amerikanischen Sportwissenschaftern entwickelt und soll mit diesem simplen Prinzip zu mehr Fitness führen: täglich zwölf Übungen à 30 Sekunden, dazwischen jeweils 10 Sekunden Pause. Ein Avatar mit Timer leitet an.Freeletics: Ein durchschnittliches Training bei Freeletics dauert 30 Minuten und kombiniert HIT (High-Intensity-Training) und HIIT (High-Intensity-Interval-Training). Kurz-Workouts sind nicht die Spezialität der deutschen Fitness-App und -Plattform. Nutzer haben jedoch die Möglichkeit, Dauer und Intensität ihres Trainings flexibel anzupassen. Kurze Trainings können also mit Freeletics geplant werden – gemäss der Freeletics-Website eine beliebte Funktion.rund8fit: Die Online-Plattform ist vor allem bei Frauen während und nach der Schwangerschaft als ressourcenreiche Trainings- und Wissensplattform bekannt und bietet auch verschiedene Fitness-, Lauf- Ernährungs- und Mindfulness-Programme an, die sich nicht ausschliesslich an Mütter richten. Bei jedem Kurs gehören Online-Videos in verschiedenen Längen dazu, von kurzen «Challenges» bis zu Cardio- und funktionellen Trainings zwischen 15 und 45 Minuten.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
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