Denise S aus T. schreibt, dass ein Wein eigentlich den Charakter seines Terroirs ausdrücken sollte. Sie stellt jedoch fest, dass sich die Topgewächse im Geschmack immer mehr angleichen würden. Warum ist das so?Tatsächlich hat in den letzten Jahren eine gewisse Uniformierung des Weingeschmacks stattgefunden, auch was die Spitze des Angebots betrifft. Weingüter keltern ihre Produkte dergestalt, dass sie bereits in einer frühen Phase trinkbereit sind. Sie sind zugänglich, ohne Ecken und Kanten, mit schöner Fülle, polierten Gerbstoffen und tendenziell milder Säure. Häufig wird der Wein im kleinen Holzfass ausgebaut, was ebenfalls einen bestimmten, ähnlichen Weinstil fördert.Solche Gewächse kommen bei vielen Konsumenten und Konsumentinnen gut an. Die meisten wollen den Wein in jungen Jahren geniessen. Ich persönlich mag es lieber, wenn ein Tropfen Ecken und Kanten besitzt. Ich bevorzuge jene Beispiele, bei denen die Qualität ausschliesslich von der Herkunft geprägt ist. Das bedeutet, dass im Keller der vorgegebene Charakter der Trauben nicht verändert wird. Diese Winzer beobachten zwar die natürlichen Prozesse im Weinausbau, beeinflussen diese jedoch in nur geringem Ausmass. Und solche Weine brauchen Zeit. Glücklicherweise ist auch heute noch eine Vielzahl individueller, eigenständiger Top-Crus auf dem Markt zu finden.Fragen an: peter.keller@nzz.ch Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.