PfadnavigationHomeGesundheitGesunde Ernährung„Kein gleichwertiger Ersatz“ – die Nachteile der Pflanzendrinks gegenüber MilchStand: 10:18 UhrLesedauer: 3 MinutenPflanzendrinks sind mittlerweile weit verbreitet als MilchersatzQuelle: Getty Images/Sam EdwardsPflanzendrinks fehlt vieles von dem, was in Kuhmilch gesund ist. Besonders in bestimmten Lebensphasen können langfristige Beeinträchtigungen entstehen. Fünf Mythen in der Prüfung.Hafer, Soja, Mandel: Pflanzendrinks stehen in vielen Kühlschränken – und in der Diskussion. Sind sie tatsächlich gesünder als Kuhmilch oder automatisch die richtige Wahl bei Allergien? Ein Faktencheck zeigt: Vieles ist pauschal falsch – manches stimmt weitgehend.Behauptung Nummer eins: Pflanzendrinks seien gesünder als Kuhmilch. Bewertung: falsch.Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) widerspricht. Milch und Milchprodukte enthielten von sich aus gut verfügbares Eiweiß, das für Muskelaufbau und -erhalt unverzichtbar sei. Zudem würden Kalzium für die Knochengesundheit sowie Vitamine und Jod geliefert. In pflanzlichen Alternativen fänden sich diese Mikronährstoffe in relevanten Mengen dagegen oft erst durch entsprechende Anreicherung. Wer auf Milchprodukte verzichtet, sollte nach Einschätzung der Experten deshalb auf die ausgewiesene Zutatenliste bei Pflanzendrinks achten oder die fehlenden Nährstoffe anderweitig ersetzen. Lesen Sie auchBehauptung Nummer zwei: Bio-Pflanzendrinks würden Kuhmilch-Nährstoffe ersetzen. Bewertung: falschBio, also gesund? Im Fall von ökologisch erzeugten Pflanzendrinks stimmt das nicht – zumindest, was wichtige Nährstoffe wie etwa Calcium, Vitamine und Jod angeht. Der Grund: Bio-Lebensmitteln dürfen laut EU-Öko-Verordnung 2018/848 Vitamine und Mineralstoffe nur dann zugesetzt werden, wenn dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Für pflanzliche Milchalternativen gibt es eine solche Vorschrift nicht, deshalb dürfen ihnen keine Nährstoffe beigefügt werden. Einige Hersteller umgehen das Verbot, indem sie Kombinationsdrinks anbieten – etwa als Hafer-Algen-Drink, in dem calciumhaltige Bio-Algen verwendet werden. Diese Praxis ist allerdings rechtlich umstritten. Lesen Sie auchBehauptung Nummer drei: Für Allergiker seien Pflanzendrinks die bessere Wahl. Bewertung: überwiegend falsch.Wer auf Milcheiweiß allergisch reagiert oder laktoseintolerant ist, greift gern zu Pflanzendrinks. Sie sind aber nicht immer die Lösung, denn sie können je nach Ausgangsstoff, Herstellung und Kennzeichnung relevante Risiken für Allergiker bergen. Viele Milchalternativen enthalten selbst deklarationspflichtige Allergene und müssen entsprechend gekennzeichnet sein, etwa wenn sie auf Soja, Nüssen, Gluten/Hafer oder Lupinen basieren.Lesen Sie auchDer Deutsche Allergie- und Asthmabund weist zudem auf die Unsicherheiten hin, wenn auf Verpackungen auf „Spuren von“ potenziellen Allergenen hingewiesen wird. Denn auch wenn das Getränk nicht aus einem Allergen besteht, kann es durch Herstellungsanlagen oder Lieferketten zu unbeabsichtigten Einträgen kommen.Behauptung Nummer vier: Kinder bräuchten Kuhmilch für gesundes Wachstum. Bewertung: bedingt richtig.Gerade Kleinkinder sind nach Einschätzung von Wissenschaftlern auf eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen wie Calcium, Jod, Vitamin B2, Vitamin B12 und Eiweiß angewiesen. Anders als Kuhmilch enthalten Pflanzendrinks, ganz gleich, aus welchem Rohstoff sie hergestellt werden, von Natur aus aber keine oder kaum nennenswerte Mengen dieser milchtypischen Nährstoffe. „Pflanzendrinks sind daher kein gleichwertiger Ersatz für Kuhmilch“, urteilt das vom Bundesernährungsministerium geschaffene Netzwerk „Gesund ins Leben“. Die Experten empfehlen daher qualifizierte Ernährungsberatung, um die Versorgung mit allen lebenswichtigen Nährstoffen sicherzustellen, wenn Eltern Milchprodukte vermeiden wollen.Tatsächliche Risikofaktoren seien allerdings kaum zu berechnen: Dafür sei die Datenlage zu dünn. Die Auswirkungen auf die spätere Gesundheit und das Wachstum seien unzureichend untersucht, melden auch Wissenschaftler des Max-Rubner-Instituts für Ernährung und Lebensmittel. Vergleichende Querschnitts- oder Kohortenstudien hätten jedoch gezeigt, dass ein hoher Verzehr von pflanzenbasierten Milchalternativen in der frühen Lebensphase das Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen erhöhen könne.Behauptung Nummer fünf: Sojamilch raubt Männlichkeit. Bewertung: falsch„Soy boy“ – dieses in sozialen Medien gebräuchliche Schimpfwort beruht auf dem Mythos, dass Soja Männer „verweiblichen“ könne, weil der Verzehr für sinkende Testosteron- oder steigende Östrogenwerte sorge. Tatsächlich enthält Soja Isoflavone, die dem „weiblichen“ Hormon Östrogen ähneln. Dennoch bestätigt die Wissenschaft das Gerücht vom Männlichkeitskiller Soja nicht. Eine im Journal „Reproductive Toxicology“ veröffentlichte Meta-Analyse Dutzender klinischer Studien fand 2020 keinerlei messbare Effekte von Sojalebensmitteln oder Isoflavon-Präparaten auf Testosteron- oder Östrogenspiegel bei Männern. dpa/lpi
Gesunde Ernährung: „Kein gleichwertiger Ersatz“ – die Nachteile der Pflanzendrinks gegenüber Milch - WELT
Pflanzendrinks fehlt vieles von dem, was in Kuhmilch gesund ist. Besonders in bestimmten Lebensphasen können langfristige Beeinträchtigungen entstehen. Fünf Mythen in der Prüfung.






