Als 1947 der Roman „Galleria Umberto“ von John Horne Burns (1916–1953) in den USA erschien, schrieb die Kriegsreporterin Martha Gellhorn dem damals 31-jährigen Debütanten: „Ich finde, Sie schreiben wie ein Engel“. Auch Schriftsteller wie ihr Ex-Mann Ernest Hemingway und Gore Vidal waren begeistert. Viele Kritiker feierten Burns als neuen John Dos Passos. Der Roman wurde rasch zum Bestseller und verkaufte sich rund 500.000-mal. Wenig verwunderlich, dass das Buch in mehrere Sprachen übersetzt wurde – auch ins Deutsche, 1951 durch Günther Birkenfeld, einen umtriebigen West-Berliner Literaturfunktionär. Allerdings erschien die erste Übersetzung mit „hässlichem zeittypischem Rassismus“ gegenüber Arabern und Schwarzen, wie der heutige Übersetzer Gregor Hens im aufschlussreichen Nachwort erläutert. Diese Neuübersetzung ist daher längst überfällig – auch weil sich der Roman aus unterschiedlichen Perspektiven neu entdecken lässt.

Acht Spaziergänge, neun Porträts

Das Buch spielt am Kriegsschauplatz des Mittelmeerraums, vor allem im 1943 von den Alliierten eingenommenen Neapel. Burns erzählt jedoch weder von Schlachten noch von Heldentaten. In acht Spaziergängen schildert ein namenloser Ich-Erzähler, ein Ersatzsoldat, seine Stationen von Nordafrika bis Italien.