Vier Jahre Gustavo Petro: Korruption und Skandale einerseits, andererseits zaghafte sozialpolitische Fortschritte. Der linke Kandidat hat Chancen.
B ei den Präsidentschaftswahlen in Kolumbien Ende Mai geht es um viel: Erhält der besonnene linke Menschenrechtler Iván Cepeda die Chance, das Andenland nach vier stürmischen Jahren unter dem charismatischen, aber unberechenbaren Staatschef Gustavo Petro in ruhigere Fahrwasser zu steuern? Hält die Verteidigungslinie, mit der die progressiven Präsidenten Lateinamerikas die neu-imperiale Offensive von US-Staatschef Donald Trump ausbremsen wollen? Bis zur Stichwahl am 21. Juni bleibt es spannend.
Nach fast vier Jahren ist die Bilanz des Ex-Guerilleros Petro, erster linker Präsident Kolumbiens der Moderne, durchwachsen. Sein ehrgeizigstes Projekt, der „totale Frieden“, scheint ferner denn je. Die organisierte Kriminalität diktiert in mehreren Landesteilen das Geschehen. Im Schnitt sind sogar mehr Menschen ermordet worden als in den Amtszeiten seiner zwei konservativen Vorgänger.
Dies ist in erster Linie eine Folge des gescheiterten „Kriegs gegen die Drogen“, den die USA der Region vor über 50 Jahren aufgezwungen haben. Jährlich werden um die 3.000 Tonnen Kokain produziert, ein neuer Rekord – der Export erfolgt meist über Häfen im benachbarten Ecuador.













