Stellen Sie sich vor, Sie sitzen an Ihrem Schreibtisch in einer Berliner Hochschule, erledigen Ihre Arbeit und werden kurz vor Feierabend in einen Konferenzraum gerufen. Dort eröffnen Ihnen Ihre Vorgesetzten nicht etwa eine Gehaltserhöhung, sondern die fristlose Kündigung. Die Begründung klingt wie aus einem schlechten Spionagefilm: Sie seien die Betreiberin eines rassistischen und antisemitischen Dating-Portals für Rechtsextreme. Was wie ein absurdes Missverständnis wirkt, wurde für die Berlinerin Liv Heide zu einer existenzbedrohenden Realität. Auslöser: eklatantes Versagen deutscher Sicherheitsbehörden.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) habe die heute 59-jährige Frau über zwei Jahre lang fälschlicherweise als radikale Rechtsextremistin im Visier gehabt, berichtet die Zeit. Die Ermittler des Referats für Internetbeschaffung stießen demnach 2022 auf ihren Namen auf der Website der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) in der Hauptstadt und zogen einen fatalen Schluss: Sie müsse identisch sein mit jener „Liv Heide“, die im Netz das Portal „WhiteDate.net“ betrieb und von dort aus per E-Mail kommunizierte. Diese Plattform diente als „Parship für Nazis“, auf der sich Nationalsozialisten und Faschisten zur Zeugung „weißer Kinder“ vernetzten.