Je länger eine Diskussion im Internet anhält, desto höher steigt die Wahrscheinlichkeit, dass jemand einen Nazi-Vergleich zieht. So behauptet es zumindest – mal mehr, mal weniger ironisch gemeint – das sogenannte Godwin’s Law, Godwins Gesetz.Im deutschen Politikbetrieb scheint man gerade ein analoges Pendant dazu zu entwickeln. Je länger der Koalition keine Lösungen für die Gegenwart einfallen, desto höher steigt die Wahrscheinlichkeit, dass jemand einen Weimar-Vergleich anstellt.
Das neueste Beispiel dafür lieferte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder letzte Woche auf dem Katholikentag in Würzburg: „Wenn jetzt wieder eine demokratische Regierung scheitert, aus welchen Gründen auch immer [...] dann gehen wir den Weimarer Weg.“ Ziemlich genau vor einem Jahr verkündete er auf der Plattform X: „Das Scheitern des demokratischen Prozesses könnte ein schlimmer Vorbote für Verhältnisse wie in der Weimarer Republik sein.“ Man schaue auch über 20 Jahre zurück, ins Jahr 2005, als Söder noch Generalsekretär der CSU war und der Welt besorgt mitteilte, dass „Weimarer Verhältnisse“ bevorstünden.
Sind die Nazi-Vergleiche in Godwin’s Law ein Versuch, den Diskussionsgegner moralisch zu diskreditieren, so fungieren Weimar-Vergleiche als Angstbeschleuniger vor einer Wiederholung des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte. Diese Geschichte mag langsam aus der lebendigen Erinnerung verschwinden, aber sie bleibt im kollektiven Bewusstsein der Deutschen tief verankert.









