PfadnavigationHomePolitikDeutschlandRentendebatte„Buhrufe ändern Mathematik nicht“ – Joschka Fischer fordert „grundlegende Reformen im Sozialsystem“Stand: 17:07 UhrLesedauer: 3 MinutenDie Diskussion um eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre nimmt Fahrt auf. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hält längeres Arbeiten für möglich.Ex-Vizekanzler Joschka Fischer kritisiert die Arbeit der Regierungskoalition und ruft zu Sozialreformen auf. Eine Reform der Rente sei „keine Frage der politischen Überzeugung, sondern der Mathematik“. Auch Arbeitgeberpräsident Dulger erhöht in der Rentendebatte den Druck.Der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) ruft die schwarz-rote Koalition zu grundlegenden Sozialreformen auf und beklagt einen „dramatischen Niedergang“ der SPD.Die Bundesregierung habe derzeit zu wenig Kraft, um Europa anzuführen, sagte Fischer dem „Tagesspiegel“. Die Deutschen und ihre Regierung hätten sich in ein „tiefes nationales Jammertal“ begeben. „Umso dringlicher sind nun grundlegende Reformen im Sozialsystem. Die Rente muss reformiert werden“, sagte Fischer. Das sei „keine Frage der politischen Überzeugung, sondern der Mathematik“.Wenn es immer weniger Kinder und Beschäftigte gebe „und wir immer länger leben, müssen wir länger und mehr arbeiten“, sagte der Ex-Vizekanzler. Mit Blick auf die Buhrufe, die Kanzler Friedrich Merz (CDU) beim DGB-Bundeskongress für seinen Reform-Appell erhalten hatte, sagte Fischer: „Buhrufe ändern die Mathematik nicht.“ Fischer äußerte sich auch besorgt über Zustand und Zukunft der SPD. „Wenn die SPD so wie bisher weiter macht, dann wird das nichts mehr“, sagte der frühere Vizekanzler: „Der Niedergang der SPD, etwa in ihrem alten Kraftzentrum in Nordrhein-Westfalen, ist dramatisch. Ein Ende der SPD rüttelt an der Stabilität des Landes.“ Deutschland lebe von starken Volksparteien.Lesen Sie auchDer langjährige Grünen-Spitzenpolitiker rief seinen einstigen Koalitionspartner SPD zu einer grundlegenden Korrektur ihres Kurses auf. „Eine Umverteilungs-SPD wird scheitern. Wir leben in einer Zeit, in der es nicht um Umverteilung geht“, sagte Fischer, „sondern um Bildung, Forschung, Innovation, KI. Dazu höre ich wenig von der SPD.“ Die SPD sei immer dann erfolgreich gewesen, „wenn sie glaubhaft für ein Aufstiegsversprechen durch Bildung und Leistung stand“.„Nicht beliebt – aber notwendig“, sagt der ArbeitgeberpräsidentAuch Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hält ein späteres Renteneintrittsalter für unumgänglich. Das sei zwar „nicht beliebt – aber notwendig“, sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). Länder wie Dänemark zeigten, dass das funktionieren könne. „Mit der Abschaffung der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte – der sogenannten Rente ab 63 – und einer Kopplung der Regelaltersgrenze an die Entwicklung der Lebenserwartung hätten wir die Debatte vom Tisch.“Lesen Sie auchDulger bezog sich auf die aktuelle Debatte zur anstehenden Rentenreform. Die von der Regierung eingesetzte Rentenkommission soll eigentlich erst Ende Juni ihre Empfehlungen vorlegen, doch zuletzt sorgten angebliche Pläne bereits für Aufregung. So berichtete die „Bild“ am Donnerstag, dass das Gremium eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre empfehlen wolle. Die Kommissionsmitglieder dementierten solch einen Beschluss aber umgehend.Arbeitgeberpräsident Dulger sagte weiter, das Rentensystem müsse „strukturell“ stabilisiert werden. „Dafür braucht es drei Dinge: eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters, den Abbau von Frühverrentungsanreizen und eine stärkere kapitalgedeckte Vorsorge.“ Die Beitragszahlenden – also Arbeitgeber und Arbeitnehmer – dürften in jedem Fall nicht durch weiter steigende Beiträge belastet werden.Dulger forderte zugleich ein moderneres Arbeitszeitgesetz, das mehr betriebliche Flexibilität ermögliche. „Wir müssen das Arbeitsvolumen erhöhen. Mit einer Teilzeitrepublik werden wir die demografischen Herausforderungen nicht bewältigen“, sagte er dem RND.Zugleich wies er Sorgen vor überlangen Arbeitstagen zurück: „Niemand wird zu 13‑Stunden‑Tagen gezwungen.“ Mehr Flexibilität bedeute nicht mehr Druck, sondern mehr Möglichkeiten für Arbeitgeber und Beschäftigte. Der starre Acht-Stunden-Tag stamme aus früheren Zeiten und passe oft nicht mehr zu einer digitalen und globalen Arbeitswelt.AFP/nw
Rentendebatte: „Buhrufe ändern Mathematik nicht“ – Joschka Fischer fordert „grundlegende Reformen im Sozialsystem“ - WELT
Ex-Vizekanzler Joschka Fischer kritisiert die Arbeit der Regierungskoalition und ruft zu Sozialreformen auf. Eine Reform der Rente sei „keine Frage der politischen Überzeugung, sondern der Mathematik“. Auch Arbeitgeberpräsident Dulger erhöht in der Rentendebatte den Druck.









