Der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) ruft die schwarz-rote Koalition zu grundlegenden Sozialreformen auf und beklagt einen „dramatischen Niedergang“ der SPD.Die Bundesregierung habe derzeit zu wenig Kraft, um Europa anzuführen, sagte Fischer dem Tagesspiegel. Die Deutschen und ihre Regierung hätten sich in ein „tiefes nationales Jammertal“ begeben. „Umso dringlicher sind nun grundlegende Reformen im Sozialsystem. Die Rente muss reformiert werden“, sagte Fischer. Das sei „keine Frage der politischen Überzeugung, sondern der Mathematik.“Buhrufe ändern die Mathematik nicht.Joschka Fischer, Grüne, Ex-AußenministerWenn es immer weniger Kinder und Beschäftigte gebe, und wir immer länger lebten, „müssen wir länger und mehr arbeiten“, sagte der Ex-Vizekanzler. Mit Blick auf die Buhrufe, die Kanzler Friedrich Merz (CDU) beim DGB-Bundeskongress für seinen Reform-Appell erhalten hatte, sagte Fischer: „Buhrufe ändern die Mathematik nicht.“Fischer äußerte sich besorgt über Zustand und Zukunft der SPD. „Wenn die SPD so wie bisher weitermacht, dann wird das nichts mehr“, sagte der frühere Vizekanzler: „Der Niedergang der SPD, etwa in ihrem alten Kraftzentrum in Nordrhein-Westfalen, ist dramatisch. Ein Ende der SPD rüttelt an der Stabilität des Landes.“ Deutschland lebe von starken Volksparteien. In Umfragen steht die SPD bundesweit bei 12 Prozent. Der langjährige Grünen-Spitzenpolitiker rief seinen einstigen Koalitionspartner SPD zu einer grundlegenden Korrektur ihres Kurses auf. „Eine Umverteilungs-SPD wird scheitern. Wir leben in einer Zeit, in der es nicht um Umverteilung geht“, sagte Fischer, „sondern um Bildung, Forschung, Innovation, KI. Dazu höre ich wenig von der SPD.“ Die SPD sei immer dann erfolgreich gewesen, „wenn sie glaubhaft für ein Aufstiegsversprechen durch Bildung und Leistung stand“.Fischer war von 1998 bis 2005 erster grüner Außenminister und Vizekanzler. Von 1985 bis 1987 war er erster Grünen-Minister überhaupt, als Umweltminister in Hessen. Das gesamte Interview mit Joschka Fischer lesen Sie hier ab Pfingstmontag.
Joschka Fischer fordert längeres Arbeiten: „Eine Umverteilungs-SPD wird scheitern“
Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) ruft die schwarz-rote Koalition zu grundlegenden Sozialreformen auf und beklagt einen „dramatischen Niedergang“ der SPD.








