Spannend: Die Bild-Zeitung berichtet exklusiv darüber, dass die „Alterssicherungskommission“ der Bundesregierung das Renteneintrittsalter bis 2060 von 67 auf 70 Jahre erhöhen will. Und umgehend dementierten Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU), aber auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Pascal Reddig, der selbst der Kommission angehört. Reddig gab an, dass noch keine Beschlüsse getroffen wurden. Ebenso äußerte sich das Büro von Florian Dorn (CSU) gegenüber dieser Zeitung. „Unglücklich“ sei das Ganze gelaufen. Auch Dorn ist als einer von drei Abgeordneten Mitglied der 13-köpfigen Renten-Kommission.

Tatsächlich ist unter den Kommissionären der Union eine höhere Lebensarbeitszeit gesetzt. Die Wissenschaftler, die die SPD in die Kommission berufen hat, lehnen dagegen alle eine Rente ab 70 ab: Peter Bofinger (Uni Würzburg), Camille Logeay (HTW Berlin), Monika Queisse (OECD) und Georg Cremer (ehemals Caritas). Die SPD-Kommissionäre hätten ein Motiv, die skandalöse Rente mit 70 schon früh öffentlich zu diskreditieren. Und tatsächlich funktionieren die Reflexe auf der linken Seite des politischen Spektrums zuverlässig.

Unions-Experten für mathematischen Automatismus

Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek warnte umgehend vor der Rente mit 70 und sprach von einer „unfassbar sozial kalten Empfehlung“. Ein „weiteres Auseinanderdriften zwischen oben und unten“ wäre unausweichlich. Und der BSW-Vorsitzende Fabio De Masi hält eine Anhebung des Renteneintrittsalters für „sozialen Sprengstoff“ und „Rentenklau“. Die Rente mit 70 wäre „faktisch ein gigantisches Rentenkürzungsprogramm“. Die SPD-Abgeordnete Annika Klose hingegen, die der Kommission ebenfalls angehört, meinte lediglich, „dass vieles noch nicht entschieden“ sei, und dementierte also den Vorschlag nicht wirklich. Ähnlich vage äußerte sich das Ministerium von Bärbel Bas selbst: Man kommentiere keine „vermeintlichen Zwischenstände“.