Die erste halbe Stunde der realsozialistischen Filmperle „Die Legende von Paul und Paula“ (1972) hielt den westdeutsch sozialisierten Rezensenten in einem Zustand tiefer Verstörung gefangen, in welchem ihn die Frage nicht losließ, warum die DDR nicht schon früher untergegangen ist. Ein Schauspiel, in dem Akteure beliebig aneinander vorbeichargieren, eine Agglomeration von modischen 70er-Jahre-Scheußlichkeiten und eine Bildsprache, die an eine Mischung aus Sozial-Doku und auf prüde geschnittenem Softporno erinnern musste.
Filmplakat für Carows „Die Legende von Paul und Paula“
© PEMAX/imago
Erstaunliche Intimität
Und dann – ein Wunder. Oder eine Offenbarung. Denn es ergibt sich, dass das, was beliebig dargestellt wurde, auch irgendwo beliebig war, dass die Sinnlosigkeit der Aufführung der Sinnlosigkeit des bisherigen Lebens der Protagonisten entsprach – und dass auf einmal die Liebe auf den Plan tritt und heilt. Auch die Kamera, die auf einmal eine erstaunliche Intimität vermittelt.






