Ein kräftiger nackter Mann zieht einen Volkspolizisten ins Wasser eines Dorfteiches – das zeigt die berühmteste Szene des DEFA-Klassikers „Spur der Steine“. Der Film erlebte seine denkwürdige Premiere am 30. Juni 1966 im Kino International, vor genau 60 Jahren. Die Aufführung wurde gezielt gestört, der Film verschwand umgehend im Giftschrank. Erst 1989 konnte das Publikum ihn wieder sehen.

Die Provokation des vom Regisseur Frank Beyer auf der Grundlage des gleichnamigen Romans von Erik Neutsch gedrehten Films berührte das Fundament des Sozialismus in der DDR, nämlich die als Parteihauptlinie formulierte Rolle der Arbeiterklasse. Und nun entmachtet diese, allen voran ein Prachtexemplar jener führenden Kraft, der von Manfred Krug gespielte Zimmererbrigadier Hans Balla, den Vertreter der Staatsmacht gewissermaßen im revolutionären Handstreich. Der Uniformierte hatte den Bauarbeitern das Baden verbieten wollen.

„Rabaukenhafte Arbeiter“

Das ging der führenden Partei, der SED, zu weit. Sie beantwortete ihrerseits die Machtfrage mit der Verbannung des Films. Welche Gründe dazu führten, zeigt ein am 11. November 1965 in der Berliner Zeitung abgedruckter Redebeitrag, gehalten auf einer Sitzung des Staatsrates der DDR von Kurt Turba, Vorsitzender der Jugendkommission beim SED-Politbüro, Vorsitzender des Jugendausschusses der Volkskammer und Vertrauter von Walter Ulbricht, dem damaligen Staats- und Parteichef.