Es war eine besondere Aufgabe im Sexualkundeunterricht des Kardinal-von-Galen-Gymnasiums in Kevelaer in Nordrhein-Westfalen: 13 bis 15 Jahre alte Schülerinnen und Schüler sollten sich unter anderem Gedanken über das Angebot eines fiktiven Bordells machen und einen „Puff für alle“ entwerfen, ein „Freudenhaus der sexuellen Lebenslust“. Zunächst berichteten der Sender WDR und die „Rheinische Post“. Demnach sollten die Teenager ein bereits existierendes Etablissement modernisieren. Dabei mussten sie sich mit diversen Fragestellungen befassen: „Welches inhaltliche Angebot muss der neue Puff für alle bereithalten? Welche sexuellen Vorlieben müssen in den Räumen wie bedient und wie angesprochen werden?“Außerdem ging es in den drei Arbeitsblättern den Berichten zufolge darum, welche „Fähig- und Fertigkeiten“ Menschen brauchen, die dort arbeiten, „damit alle möglichen Menschen bedient und zufriedengestellt werden können“.Das Material ist bewusst irritativ angelegt, um Diskussionen anzuregen.Christina Diehr, SchulleiterinEine weitere Aufgabe beschäftigte sich demnach mit dem Marketing und lautete: „Wie muss eine Werbung für einen solchen Puff aussehen? Wie können alle möglichen Menschen gleichermaßen angesprochen werden? Wie sehen die Hinweise auf die Preisliste aus?“ Im Anschluss war offenbar eine Diskussion vorgesehen.Die Leiterin des Gymnasiums, Christina Diehr, hatte den Berichten zufolge in einer Stellungnahme erklärt, man habe in der Unterrichtseinheit Inhalte aufgreifen wollen, denen Jugendliche in sozialen Medien begegnen könnten.„Das Material unter der Überschrift: ,Sexualpädagogik der Vielfalt. Praxismethoden zu Identitäten, Beziehungen, Körper und Prävention für Schule und Jugendarbeit’ ist bewusst irritativ angelegt, um Diskussionen anzuregen.“ Es reagiere auf „die Entwicklung in unserer Gesellschaft mit einer Vielfalt von Lebensmodellen und Geschlechterrollen“. Mit den Schülerinnen und Schülern sei der Inhalt der Unterrichtsstunde im Nachgang thematisiert und eingeordnet worden. Eine Benotung habe es nicht gegeben. Bei den Aufgaben habe es sich um Arbeitsblätter gehandelt, die der Lehrkraft im Rahmen der Ausbildung vorgestellt worden waren.„Die Lehrkraft hat zudem den Eltern und der Klassenpflegschaft die Hintergründe des Unterrichtsmaterials erläutert. Diese Gespräche waren sehr konstruktiv geprägt, sodass Irritationen ausgeräumt wurden“, so Diehr.Die Stellungnahme machte auch deutlich, dass diese Unterrichtseinheit ein einmaliges Projekt bleiben wird. „Unter Berücksichtigung der Ergebnisse des intensiven Austauschs mit allen Beteiligten sind alternative Unterrichtseinheiten in Vorbereitung, die das Thema Vielfalt der Lebensformen und der Sexualität in einem anderen Kontext aufbereiten.“ Bürgermeister von Kevelaer reagiert auf AfD-Anfrage Aus dem Schulministerium hieß es auf WDR-Anfrage: Dass die Schule nach Hinweisen der Eltern zügig entschieden habe, das betreffende Unterrichtsmaterial nicht weiter zu verwenden, sei richtig. „Sexualerziehung muss verantwortungsvoll, sensibel und altersangemessen erfolgen.“ Das Material sei für den Einsatz im Unterricht nicht geeignet, so das Ministerium weiter. Die Bezirksregierung Düsseldorf werde den Fall aufarbeiten.Wie die „Rheinische Post“ schreibt, äußerte sich Kevelaers Bürgermeister Dominik Pichler zu dem umstrittenen Thema. Er habe auf eine Frage der AfD in einer Ratssitzung geantwortet, als Bürgermeister und betroffener Vater.Sexualkundeunterricht sei grundsätzlich normal, sagte Pichler demnach. Er lege sehr viel Wert darauf, dass seine Kinder nicht im Internet bei Tiktok oder YouPorn aufgeklärt würden. Der Ansatz der Schulaufgabe möge „provokativ und vielleicht nicht ganz ohne Risiko“ gewesen sein. Aber der Sachverhalt sei „kein Skandal“, sagte der Bürgermeister. Aber man könne da auch anderer Meinung sein als er.