In einem Offenen Brief werfen Ihnen mehrere Autoren vor, den Verlag nach rechts gedreht zu haben. Was sagen Sie dazu ?

Das sind große Worte mit wenig Grundierung. Ich kann aber verstehen, dass es auf wenig Gegenliebe stößt, wenn man sich plötzlich anstrengen und überzeugen soll. Wir wollen das Visier hochklappen und uns dezidiert inhaltlich auseinandersetzen, statt wirkungslos Haltung bekunden. Im Übrigen: Wissen Sie, wie es anders gehen soll, wenn man grundsätzlich Andersdenkende überzeugen möchte? Ignorieren, Brandmarken und Haltung zeitigen offensichtlich keine Effekte.

Die Autoren kritisieren, dass der Verlag sich auf seine Homepage nicht mehr als „Plattform für kritische, linke Perspektiven auf gesellschaftliche Entwicklungen – ohne Anspruch auf ideologische Geschlossenheit“ bezeichne. Warum wurde die Passage gelöscht?

Linkssein ist ja ganz schön, aber werden andere durch mein Linkssein satt? Wir ringen mit unseren renommierten Autoren sehr um die Verwendung und Bedeutung dieses Wörtchens. Wir haben diese Passage auch nicht gelöscht, wie Sie schreiben, sondern nur diesen Begriff, der mittlerweile vollkommen entleert ist und missbraucht wurde und wird, wie sich ganz offensichtlich immer deutlicher herausgestellt hat, und der der gesellschaftlichen Spaltung dient. Unser Eindruck hat sich zuletzt sehr verstärkt, dass eine selbstgerechte, sich als „links“ bezeichnende Pseudolinke an Mächtige andient, statt sich für die Schwächsten und Schutzlosesten einzusetzen.