Für sie: Last ExitDer Ursprung der Redewendung „Lila ist der letzte Versuch“ ist nicht ganz klar, könnte aber daher rühren, dass Frauen früher, wenn sie zu alt für Rosa, aber immer noch nicht verheiratet waren, die Farbe Lila wählten, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Auch Demi Moore liebt die Aufmerksamkeit, sonst wäre sie kein Hollywood-Star. Dass sie diesen Ton für einen Auftritt auf dem roten Teppich von Cannes gewählt hat, hat aber wohl eher nichts mit Heiratsabsichten zu tun. Vielmehr scheint es eine vertragliche Abmachung mit dem Modehaus Gucci zu geben, wo sie auch auf Fashion Shows auftaucht. Leider hat dort bekanntlich der ehemalige Balenciaga-Designer Demna Gvasalia das Haus übernommen, und jetzt geht alles von Gucci ins leicht Vulgäre. Getty ImagesBei Balenciaga konnte er uns das noch als gewollt verkaufen, aber mitten in Italien, wo es null um Coolness und zu einhundert Prozent um konventionelle Schönheit geht, kommt er damit nicht mehr wirklich durch. Dieses Kleid ist das schlimmste, was wir je gesehen haben: der billig glänzende Organzastoff, der in Fetzen auf dem Boden liegt, die groben Raffungen am Oberkörper und die Farbe wirken zusammen wie das ebenfalls stets in Lila zu habende Karnevalskostüm „Freche Hexe“. Warum nicht gleich einen spitzen Hut auf und das Jurymitglied auf einen Besen setzen? Wäre interessanter und skandalöser gewesen als dieser müde, buchstäblich allzu durchsichtige Versuch, den neuen Dresscode des Festivals zu umgehen, der Nacktheit untersagt. Lila – wirklich der letzte Versuch, aber nicht Demis, sondern Demnas.Für ihn: Seltene ErscheinungViolett dürfte zu den seltensten Farben im Spektrum der Herrengarderobe gehören. Weder als Hemd noch als Sockenfarbe, nicht als Applikation auf Sneakers oder bei der Unterwäsche sind nennenswerte Bestände verzeichnet, höchstens vielleicht bei Krawatte, Baseballcap und Einstecktuch. Man kann also sagen: Der normale Mann hat mit Lila nichts zu tun und kennt auch kaum eine korrekte Zubereitungsart. Ausgenommen sind seit jeher erfolgreiche Kreative und Männer der Kirche, die textiles Violett zu besonderen Anlässen nutzen und damit eben auch ihre Sonderstellung innerhalb der Gesellschaft unterstreichen. Auf der Bühne, bei der Predigt, im Studio – die Farbe ist dann wie der gebildete Bruder von Rot, weniger aggressiv und noch etwas geistreicher. Getty ImagesIn diesem Kontext ist auch der Valentino-Look zu sehen, der von US-Schauspieler Colman Domingo in Cannes auf dem roten Teppich getragen wurde. Das Kalkül, mit Violett herauszustechen, geht auf – von Domingo liegen jetzt dreimal mehr Bilder bei den Bildagenturen vor als von seinen Kollegen auf dem Teppich. Farbe und expressive Form dieses Oberteils ergänzen einander, erst zusammen funktioniert es richtig als ziemlich hinreißendes Statement-Stück. Hier ist es schlecht zu erkennen, aber die braun-schwarze Nadelstreifenhose dazu war nicht die ideale Wahl, derart imposantes Violett duldet keine Nebenschauplätze. Eine gänzlich tiefschwarze Smokinghose wäre noch besser gewesen. Wenn schon Purple, dann eben auch bitte möglichst: pur.
Lila Farbe auf dem roten Teppich in Cannes
Lila als Farbe auf dem Cannes Festival zeigt besondere Modeentscheidungen von Prominenten wie Demi Moore und Colman Domingo.














