Die AfD instrumentalisiert Kriminalstatistiken, um sich als Hauptopfer politisch motivierter Gewalt zu inszenieren. Doch die Rolle steht ihr nicht zu.

W as die Zuschauer*innen zur deutschesten aller Sendezeiten – in den 20-Uhr-Nachrichten der „Tagesschau“ – letzten Dienstag präsentiert bekamen, klang heftig: Die Nachricht war grafisch mit einem Balkendiagramm aufbereitet, Überschrift: „Angriffe auf Parteimitglieder“. Und die meisten davon gab es 2025 auf die AfD, nämlich 1.852, mit deutlichem Abstand gefolgt von CDU (1.171), Grünen (1.005), SPD (804) und Linker (273).

Tatsächlich ist die Zahl der Delikte gegen Parteien und Politiker im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gestiegen. Die Daten stammen aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion. Die Deutsche Presse-Agentur hatte exklusiv über die Zahlen berichtet. Vor allem aber die verkürzende „Tagesschau“-Meldung wirkte, als hätte es fast 2.000 Gewalttaten allein gegen AfD-Mitglieder gegeben – also 150 pro Monat und fünf pro Tag?

Mitnichten. Was man auf dem eingeblendeten Balkendiagramm und bei verkürzten Überschriften zur Meldung auf den ersten Blick nicht erkennt: Die Daten sind mit Vorsicht zu genießen, darunter befinden sich keineswegs nur gewaltsame Angriffe, sondern überwiegend „Äußerungsdelikte“ wie Beleidigungen, Bedrohungen, Verleumdungen, Nötigungen und Sachbeschädigungen an Parteibüros.